Hildesheimer Allgemeine Zeitung

300 Bäume auf der Fäll-Liste

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 12.01.2019.

Hildesheim - „Mein Freund der Baum ist tot“, sang Schlagerstar Alexandra vor 50 Jahren. Und auch in Hildesheim wird immer wieder beklagt, wenn Bäume gefällt werden. Doch der Tod eines Baumes kann unter Umständen Menschenleben retten. Darauf weist die Stadt Hildesheim aus aktuellem Anlass hin. Vor einigen Tagen brach die Krone einer alten Linde auf dem Gelände des Marienfriedhofs ab und krachte auf den Boden. Für Passanten hätte das gefährlich werden können.

Der Fall der Linde war besonders tückisch. Denn der Schuppige Porling hatte sie in einer Höhe von sechs Metern befallen. Dieser Pilz versucht eine aggressive Fäule im Inneren des Stammes und ist von außen oft schwer erkennbar.

33.000 öffentliche Bäume

Ein unerwartetes Abbrechen wie in diesem Fall soll die Ausnahme bleiben. Deswegen nehmen die städtischen Baumkontrolleure Stephanie Biel, Ralf Severith und Holger Stechel regelmäßig alle Bäume auf öffentlichen Flächen im Stadtgebiet unter die Lupe – und das sind insgesamt rund 33.000. Im Verlauf von Herbst und Winter werden dann Baumfäll-Listen zusammengestellt und bis Ende Februar abgearbeitet, solange das Fällen erlaubt ist.

Diesmal stehen insgesamt knapp 300 Bäume auf der Liste. Bei allen sind die Kontrolleure zu der Einschätzung gekommen, dass sie durch ihre Schäden mittlerweile eine Gefahr darstellen. Dann soll die Säge einem möglichen Sturm zuvorkommen, der dem Stamm vielleicht sonst den Rest gegeben hätte. „Wir machen uns eine Fällung nie leicht“, versichert Severith, „aber die Sicherheit der Bürger steht an erster Stelle.“ Ob die bedroht ist, können die Baumexperten oft durch reine Sichtkontrolle von außen gar nicht erkennen. Dann kommen auch spezielle Messgeräte zum Einsatz, besonders der sogenannte Resistograph, ein Widerstandsmessgerät. Kontrollen könnten keine absolute Sicherheit gewährleisten, betont Severith. Manchmal fallen auch Bäume durch das Raster wie kürzlich auf dem Marienfriedhof. „Aber die Kontrollen sollen das Risiko minimieren.“

Viele Pappeln fallen

An einigen Standorten werden die Fällungen auffällige Lücken hinterlassen. So werden zwischen Innerste und Kupferstrang in der Nähe des Guts Steuerwald insgesamt 26 Pappeln abgesägt. Sie prägen dort das Landschaftsbild – aber sie sind laut Stadt wegen „multipler Schäden“ nicht mehr stand- und bruchsicher. Mehr als 30 Bäume unterschiedlicher Arten sind sogar am Spielplatz Triftäckerstraße betroffen, auch im Ernst-Ehrlicher-Park, im Liebesgrund und am Kalenberger Graben werden oder wurden Bäume entfernt. An der Grünanlage „Am neuen Teiche“ setzten die Kontrolleure eine ganze Reihe von Buchen und Birken auf die Liste. Am Unsinnbach im Bereich der Maybachstraße sind fast 20 Pappeln fällig.

Zu den Bäumen, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden, kommen in dieser Saison noch 76 Fällungen im Rahmen eines neuen Konzeptes für den Nordfriedhof und 18 Bäume, die auf Wunsch des Ortsrates Himmelsthür weichen sollen.