Hildesheimer Allgemeine Zeitung

50 Krippenplätze fehlen – ein Projekt platzt

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 11.10.2018.

Hildesheim - Hildesheim braucht dringend mehr Krippen- und Kindergartenplätze. Auch in diesem Sommer konnte die Stadt längst nicht für alle Kinder einen Betreuungsplatz bereitstellen, deren Eltern dies wünschten – trotz Rechtsanspruchs. Auch Stand Anfang Oktober fehlen nach Auskunft aus dem Rathaus allein 50 Krippenplätze. Die Lücke ist seit dem Sommer wieder größer geworden: Im August hatten 30 Plätze gefehlt. Seither haben weitere Kinder das erste Lebensjahr vollendet. Beim Versuch, weitere Betreuungsnagebote zu schaffen, hat die Stadt nun einen kleinen Rückschlag erlitten.

Denn ein Projekt aus dem großen Plan, binnen vier Jahren 918 neue Betreuungsplätze zu schaffen, ist geplatzt. Die Stadt hatte einen Anbau an die Außenstelle der Drispenstedter Kindertagesstätte St. Thomas geplant. 15 zusätzliche Krippenplätze sollten so ab Februar 2020 in der Zeppenfeldtstraße 2 – die Hauptstelle der Kita liegt an der nahen Friedrich-Lekve-Straße – entstehen.

Formale Gründe

Doch die niedersächsische Landesschulbehörde verweigerte aus formalen Gründen ihre Zustimmung: Ein Anbau würde die Außenstelle derart aufwerten, dass sie fortan als eigenständiger Kindergarten gelten müsse und nicht mehr als Außenstelle, verfügten die Beamten aus Hannover. Doch das sei an der Zeppenfeldtstraße nicht möglich. Die Landesschulbehörde war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu den Gründen für ihre Haltung zu erreichen.

Der Plan für die Zeppenfeldtstraße war eins jener vier Projekte, dass die Stadt im Sommer zwar schon geplant, aber noch nicht konkret benannt hatte, weil noch nicht sicher war, ob sie sich auch realisieren lassen würden. Damit sind drei dieser vier „Planungsprojekte“ inzwischen bekannt. Neben Drispenstedt handelt es sich unter anderem um den ehemaligen Aldi-Markt am Bischofskamp in der Nordstadt, wo der Verein Go20 vom Sommer nächsten Jahres an 30 Krippen- und 50 Kindergartenplätze anbietet.

Pathologie erweist sich als zäh

Hinzu kommt die ehemalige Pathologie am Weinberg, die nach Um- und Ausbau ebenfalls von August 2019 an 60 Krippen- und 50 Kindergartenplätze bieten soll. Doch dort ziehen sich die Verhandlungen zwischen Stadt und Eigentümer wie schon seit Monaten weiter hin, sicher planen kann die Kommune mit der Einrichtung also noch nicht. Was auch für das vierte „Planungsprojekt“ gilt, das letzte Vorhaben, für das die Stadt Ort und Betreiber nach wie vor nicht nennen will. Auch dort gibt es offenbar noch Klärungsbedarf, die Stadtverwaltung äußert sich dazu nicht.

Das Aus für den geplanten Anbau in Drispenstedt beunruhigt die Verwaltung indes weniger. Schließlich sei es nur um 15 Plätze gegangen, die auch frühestens ab Februar 2020 zur Verfügung gestanden hätten. Auch ohne diese Plätze könne die Stadt ihr Ziel, bis 2022 für mehr als die Hälfte aller ein- bis dreijährigen Kinder Betreuungsplätze anzubieten, erreichen, wenn alle andere Vorhaben klappen, sagt Pressesprecher Helge Miethe.

Deshalb sucht die Verwaltung zumindest derzeit auch nicht nach Alternativen zum Drispenstedter Anbau. Was sich allerdings ändern dürfte, wenn ein weiteres Vorhaben platzt oder durch Geburten und Zuzüge in den nächsten Jahren mehr kleine Kinder in Hildesheim wohnen sollten als aktuell prognostiziert.