Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Abschlüsse für 100 Gestalter der HAWK

Veröffentlicht von Christian Harborth am 12.01.2018.

Hildesheim - Wer mit einem Abschluss der Fakultät Gestaltung ins Berufsleben tritt, hat derzeit beste Aussichten. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) genießt in diesem Bereich einen hervorragenden Ruf – und so ist es nicht verwunderlich, dass etwa die Chefdesignerin eines der bekanntesten Schokoladenhersteller, Ritter Sport, ihre Karriere einst bei den Gestaltern in Hildesheim begann.

„Wer hier zum Studium aufgenommen wird, bekommt anschließend in der Regel auch einen Job“, sagt der Dekan der Fakultät, Prof. Henrik Oehlmann. Gelegentlich komme es auch zu Studienabbrüchen – etwa dann, wenn Unternehmen Master-Studenten vor deren Abschluss abwerben. Die Studenten hätten dann bereits einen Bachelor-Abschluss in der Tasche und entschieden sich gegen einen weiteren Abschluss und für einen sicheren Job, nicht selten garniert mit üppigen Verdienstmöglichkeiten.

Rund 100 von den Masters of Arts und Bachelor of Arts hat die HAWK am Freitag in die Berufswelt entlassen. Die jungen Frauen und Männer hatten ihre Arbeiten von Mittwoch bis Freitag einer Jury sowie der Öffentlichkeit präsentiert. Dutzende Zuhörer, vor allem Mitstudenten und Freunde, fanden sich für die Präsentationen in einem Hörsaal der HAWK ein.

Abschlussarbeit ist im Bordell entstanden

Freitagabend bekamen die erfolgreichen Studenten in der Aula ihre Urkunden überreicht. Ihre Abschlussarbeiten, beim Bachelor meist mit dem Schwerpunkt der Produktion, beim Master mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung rund um ein Thema, sind bis Freitag, 25. Januar, öffentlich auf dem Hauptcampus am Weinberg ausgestellt (Bachelorarbeiten in Haus E, Masterarbeiten in Haus A). Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Am Wochenende 20./21. Januar, ist die Ausstellung geschlossen.

Bunte Markierungen auf dem Boden führen zu den Arbeiten. Wer ihnen folgt, stößt irgendwann auch auf die Arbeit von Lisa Kayser. Die 26-Jährige hat für ihren Abschluss ein Milieu besucht, das für Besucherinnen ansonsten weitestgehend tabu ist: ein Hildesheimer Bordell. Sie hatte für ihre Pläne mehrere Freudenhäuser angerufen – ein Haus aus der Schützenwiese willigte schließlich für eine Zusammenarbeit ein. Die Studentin konnte mit den Frauen sprechen und sie fotografieren. „Mehrere der Besucher waren nicht so begeistert von unserer Anwesenheit“, erzählt Kayser.

Die in dem Bordell arbeitenden Frauen seien da deutlich entspannter gewesen. Auf einem großen Poster, das in der Ausstellung zu sehen ist, präsentiert sich eine üppige Dame äußerst freizügig. „Sie war Teil einer Sex-Show und ich konnte in der Pause in einem Hinterzimmer mit ihr sprechen und sie fotografieren“, erzählt die Bachelor-Absolventin. Es sei auch für sie sehr ungewohnt gewesen. „Die Frau lief die ganze Zeit nackt herum.“

Wer sich die Zeit nimmt, entdeckt viele interessante Arbeiten mit innovativen Herangehensweisen. Natalia Arbeláez Salgado etwa hat eine Insulinpumpe für Sportler designed, Leonardo Gonzales ein digitales Fahrradschloss, das am Rahmen montiert wird. Stefan Fehrenbach hat eine Kochstelle kreiert, die man für vier Aufgaben nutzen kann: als Grill, als Feuerschale, als Wok und als Warmhalteplatte. „Diese Arbeit ist typisch für Gestalter“, sagt Dekan Oehlmann. Das Produkt könne für vielerlei genutzt werden. „Es ist eine sehr gute Arbeit“, lobt der Dekan.