Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Addi kommt immer zurück – mit wechselnden Partnerinnen

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 08.04.2019.

Sieben Paare im Landkreis Hildesheim gesichtet / Vogelfreunde hoffen jetzt auf viele Jungstörche

Von Sebastian Knoppik

Henneckenrode. Jetzt stehen wieder häufiger die Autos an der schmalen und kurvigen Straße zwischen Henneckenrode und Schlewecke. Es sind Storchenfreunde, die hier Fotos machen wollen „Wir haben wirklich einen Storchentourismus. Das ist unglaublich“, sagt Silke Feser und meint das keinesfalls böse.

Denn schließlich haben sie und ihr Mann Oliver selbst dafür gesorgt, dass die Störche hier wieder ein Zuhause haben. 2011 ließen sie den alten, 24 Meter hohen Schornstein der ehemaligen Zementfabrik neben ihrem Haus sanieren und dort eine Nisthilfe für Störche installieren.

Sechs Jahre hat es dann gedauert, bis ein Storch das Nest angenommen hat. Und der kommt seitdem jedes Jahr zurück nach Henneckenrode – immer mit wechselnden Partnerinnen. Addi haben die Fesers ihn getauft. Dass er es ist, wissen die Fesers, weil das Tier einen Ring trägt. Und auch das diesjährige Weibchen wollen sie wieder beringen lassen.

Das Storchenpaar musste schon so manches Mal ihr Revier verteidigen. Im Sturzflug rasen dann andere Störche auf das Nest zu. „Sowas kann richtig blutig werden“, berichtet Feser.

Auf dem Schornstein aus dem Jahr 1838 haben schon immer Störche gelebt, weswegen die alte Mühle, in der die Fesers leben und eine Musikschule betreiben, im Dorf auch oft einfach Storchennest genannt wird.

Doch dann war irgendwann Schluss. Im Zuge der Industrialisierung fanden die Weißstörche in Mitteleuropa nicht mehr genug Nahrung. „Hier war der letzte Storch im Landkreis Hildesheim“, berichtet Silke Feser. Doch in den vergangenen Jahren gelang es dann, den Storch in der Region wieder anzusiedeln.

Im vergangenen Jahr machte die Trockenheit den Tieren in der Region zu schaffen. Doch in diesem Jahr sieht es bislang gut aus, wie Alistair Hill vom Ornithologischen Verein berichtet.

Sieben Paare haben sich in den Horsten der Region niedergelassen. „Das ist schon gut“, findet Hill. Außer dem Henneckenroder Addi und seiner Partnerin haben die Ornithologen zwei Paare in Elze registriert, außerdem jeweils eins in Ruthe, in der Gronauer Masch, an den Brüggener Kiesteichen und in Hoheneggelsen. Nicht besetzt ist hingegen der Kunsthorst in Alfeld.

„Die Frage ist, wie viele erfolgreich brüten werden“, sagt Vogel-Experte Hill. Im Henneckenroder Storchennest schlüpften im vergangenen Jahr zwei Jungstörche. Einer davon überlebte nicht, fiel aus dem Nest.

Das Tier konnte zwar noch nicht fliegen, war aber schon so ausgewachsen, dass es eine Schubkarre komplett ausfüllte. Die Fesers begruben den Jungstorch in ihrem Garten.

Umso mehr wünschen sich die Storchenfreunde in Henneckenrode, dass es diesmal wieder Nachwuchs auf ihrem Schornstein geben wird. „Wir hoffen ja ganz doll, dass es wieder klappt“, sagt Silke Feser. Wenn dann die Jungtiere im Nest sitzen, werden wohl wieder besonders viele Autos in der Kurve anhalten, um die Storchenfamilie zu beobachten und zu fotografieren.