Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kronzeuge: Abu Walaa genießt beim IS hohes Ansehen

Veröffentlicht von dpa am 14.11.2017.

Celle/Hildesheim - Das mutmaßliche Islamisten-Netzwerk um den Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa genoss bei der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien hohes Ansehen. Das hat zumindest der Kronzeuge der Anklage gegen Abu Walaa und vier mutmaßliche Unterstützer, am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Celle erklärt. Der 23-Jährige schilderte am zweiten Tag seiner Aussage, Abu Walaa, genießt nach Aussage seine eigene Zeit im syrischen IS-Gebiet.

Anil O,. war im September 2015 mit Frau und Kind in den damaligen Herrschaftsbereich der Terrormiliz gereist, ein Jahr später aber zurückgekehrt. Seine Aussagen gegenüber Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zur Verhaftung von Abu Walaa und vier weiteren Angeklagten sowie zum Verbot des Deutschsprachigen Islamkreises (DIK) in Hildesheim geführt. Die Bundesanwaltschaft wirft Abu Walaa unter anderem vor, er sei der Repräsentant des IS in Deutschland gewesen und habe Kämpfer und andere Unterstützer rekrutiert und nach Syrien entsandt.

Abu Walaa sei „einer der Größten und Furchtlosesten, der im Irak für den IS auf dem Schlachtfeld gekämpft hat“, hätten ihm IS-Verantwortliche in Syrien erzählt, sagte der Kronzeuge. Auch sei Abu Walaa nach den Schilderungen der einzige Prediger in Deutschland, der den IS unterstützt und die Ausreise von radikalisierten Kämpfer gefördert habe. Dass Abu Walaa mehrfach ins IS-Gebiet gereist ist, gilt als unstrittig – was er dort genau getan hat, scheint sich aber schwer nachvollziehen zu lassen.

Ein mitangeklagter IS-Unterstützer aus Duisburg, der Türke Hasan C., habe beim IS vor Ort den Ruf gehabt, regelmäßig “gute Leute“ zu schicken, sagte der Kronzeuge weiter. Damit seien Kämpfer gemeint gewesen, die zum Selbstmordattentäter geworden seien wie zwei Zwillingsbrüder aus Castrop-Rauxel, die bei Anschlägen im Irak laut Bundesanwaltschaft mehr als 150 Menschen töteten.

Der Hauptbelastungszeuge ist ein 23-jähriger Deutschtürke, der als Jugendlicher in islamistische Kreise geriet und nach seiner Schilderung mit Hilfe von Abu Walaa nach Syrien ausreiste. Dort habe der IS ihm ein entführtes jesidisches Mädchen als Sexsklavin zu verkaufen versucht. „Das, was das Mädchen geschildert hat, war derart abartig und krank.“ Nach einem Fluchtversuch sei er vom IS gefangen genommen und wochenlang gefoltert worden.

Am Mittwoch soll Anil O. weiter aussagen.