Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Ars Saltandi will den Rahmen sprengen

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 11.02.2019.

Hildesheim - Mit stockenden Bewegungen bilden die dunkel gekleideten Tänzerinnen eine Einheit, die an die Maschinerie eines Uhrwerks erinnert. Immer wieder halten sie sich gegenseitig fest, zerren einander hin und her und hindern sich am Entkommen aus dem synchronen Tanz. Dann, allmählich, werden die Bewegungen schneller, fließender – freier. Eine Probe für „Flowed”, Schlussteil einer Trilogie von Ars Saltandi. Neun Tänzerinnen zwischen 15 und 45 Jahren vereinen Tanz mit Akrobatik- und Luftartistik-Elementen.

Vor zwei Jahren startete das Projekt mit dem Abend „Framed”. Dabei war anfangs noch nicht klar, dass sich daraus ein mehrteiliges Projekt entwickeln sollte. Mittelpunkt der damaligen Aufführung war ein großer weißer Rahmen – dieser ist seitdem ein wiederkehrendes Element. Im dritten Teil soll der Rahmen nun „wortwörtlich gesprengt werden”, wie Kathrin Katholnigg erklärt.

Gemeinsam groß geworden

Seit 17 Jahren leitet sie schon die Schule Ars Saltandi, mit einigen der Tänzerinnen sei sie „gemeinsam groß geworden”. So ist auch die Gruppe, die intern als „Top Company“ bezeichnet wird, bereits geübt: Einige der Frauen tanzen seit ihrem dritten Lebensjahr, zwei sind gelernte Tanzpädagoginnen. Katholnigg hat deshalb vollstes Vertrauen, wenn sie die Verantwortung für die Choreografien abgibt. „Diese vielen Ideen kann ein Kopf gar nicht haben – die gibt’s in keinem Lehrbuch“, betont sie mit sichtlichem Stolz auf ihre Gruppe.

Für die Choreografien von Flowed” zeigen sich drei Tänzerinnen verantwortlich: Die 20-jährige Anne Kraudi, die Ars Saltandi jedoch aufgrund ihres Studiums verlassen musste; Amelie Hillebrand, die bereits seit zehn Jahren dabei ist, und Katholniggs 15-jährige Tochter Lunis. „Eine Choreografie von 20 Minuten zu entwickeln, ist schon eine Herausforderung“, sagt Amelie Hillebrand. Die 20-jährige studiert Gestaltung an der HAWK, von ihr stammt auch das Plakatdesign.

Es ist vor allem der Zusammenhalt im Team, den Mitglieder schätzen. „Mit der Zeit sind wir immer mehr zusammengewachsen, es gibt keine Hierarchien”, freut sich Amelie Hillebrand. Gerade die Akrobatik und der damit verbundene Körperkontakt seien es, die die gegenseitige Unterstützung fördern. Das bestätigt auch Kathrin Katholnigg: „Die Tänzerinnen greifen im wahrsten Sinne des Wortes Hand in Hand.“

Kratzen von Bleistiften

Während die Tänzerinnen trainieren, ist zwischen den Klängen der elektronischen Musik immer auch das Kratzen von Bleistiften auf Papier zu hören: Fast jede Probe wird zeichnerisch von drei Gestaltungs-Studierenden der HAWK begleitet. Das ist eine Kooperation, die während der Veranstaltung „Zeichnen Deluxe” entstanden ist. Umgekehrt sind Ars Saltandi-Tänzerinnen häufig in Projekte der HAWK involviert. „Daraus ergeben sich tolle Synergien“ freut sich Katholnigg.

Auch bei den beiden vorangegangenen Performances fand dieses Konzept bereits Anwendung: Zu „Framed” gab es eine Gemäldeausstellung, bei „Formed” wurden Fotografien der Tänzerinnen gezeigt. Für „Flowed” haben die Studierenden Skizzen gezeichnet, die im weißen Ballettsaal gleich nebenan ausgestellt werden.

Die einstündigen Aufführungen von „Flowed“ sind am 16. Februar um 19 Uhr und am 17. Februar um 17 Uhr bei Ars Saltandi Moving Arts, Carl-Zeiss-Straße 18a. Es gibt noch Restkarten.