Hildesheimer Allgemeine Zeitung

ASB-Prozess: Die ersten Zeugen vor Gericht

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 08.10.2019.

Hildesheim - Finanzielle Risiken für den Kreisverband des Arbeiter Samariterbunds in Hildesheim: Zwischen 500 000 und 800 000 Euro Schulden haben sich dort angehäuft. Das kam jetzt im Zuge des Gerichtsverfahrens um den mutmaßlichen Millionenbetrug beim ASB Hannover während der Flüchtlingskrise zutage. Offen ist auch nach dem dritten Prozesstag weiter, ob der Hauptangeklagte überhaupt verhandlungsfähig ist.

Das Geld hat der Kreisverband für Leistungen in der Intensivpflege erhalten, die jedoch Mitarbeiter einer Tochtergesellschaft des ASB-Landesverbands erbracht haben. Abgerechnet hat die Leistungen hingegen der Hildesheimer Verband – und dann das Geld angeblich in Absprache mit jenem ehemaligen Geschäftsführer der Hannoverschen ASB-Tochtergesellschaft behalten, der nun wegen Untreue und Betruges angeklagt ist. Nun muss ein Weg gefunden werden, wie das Geld wieder an die ASB-Tochter zurückgezahlt wird.

Die ersten Zeugen

Am Dienstag, dem dritten Prozesstag, wurden die ersten Zeugen gehört. Dabei mussten auch zwei Landesgeschäftsführer des ASB aus Hannover in den Zeugenstand: Hans Dieter Wollborn und Udo Zachries. In diesem Zuge wurde deutlich, dass es den Angeklagten durch die teilweise chaotischen Zustände leicht gemacht wurde, Gelder auf ihre eigenen Konten zu überweisen und Rechnungen zu fälschen, wie es ihnen die Anklage vorwirft. Eine Bürokauffrau aus der ASB-Buchhaltung sagte aus, dass während der Zeit, als der große Flüchtlingsstrom nach Deutschland kam, viele Rechnungen zwar umgehend bezahlt worden seien, aber oft erst viel später gebucht wurden.

Es habe rund ein Jahr gedauert, bis alles abgearbeitet war, sagte sie. Verschiedene der im Verfahren bedeutenden Rechnungen gingen über den Schreibtisch der 25-Jährigen. So soll der Hauptangeklagte etwa einen Konzert-Flügel aus einer Flüchtlings-Unterkunft für seinen privaten Haushalt genutzt haben. Mehrere Rechnungen für Transportkosten hatte die Bürokauffrau überwiesen.

Keine Beratung möglich

Der Anwalt des Hauptangeklagten, Wilhelm-Michael Bruns, machte während der Verhandlung auch noch einmal deutlich, dass er sich aufgrund des psychischen Zustands des 46-jährigen Hildesheimers nicht mit ihm beraten könne. Dieser verfolgte den Prozess meist mit gesenktem Kopf, machte zuweilen sogar den Eindruck als sei er eingeschlafen. Nur manchmal flüsterte er mit seinem Anwalt.

Am Montag war ein Gutachter in der Haftanstalt, in der der Deutsch-Libanese in Untersuchungshaft sitzt. Aufgrund seiner Verbindungen in seine Heimat nach Beirut befürchtet die Staatsanwaltschaft, dass er sich dorthin absetzen könne. Eine abschließende Beurteilung des Angeklagten liegt noch nicht vor.

Ein Konto im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Interesses des Gerichts stand am Dienstag vor allem ein Konto bei der Volksbank Hildesheimer Börde, auf das der Hauptangeklagte die veruntreuten Millionen verschoben haben soll. Zachries ist nach der Festnahme des Deutsch-Libanesen auch Geschäftsführer der ASB-Tochtergesellschaft. Sowohl er als auch sein Vorstandskollege Wollborn hätten erst im Zuge von Ermittlungen des Landeskriminalamts vor knapp einem Jahr von diesem Konto erfahren. In den Büchern der ASB-Tochter sei das Konto ebenfalls nicht zu finden gewesen. Doch darauf hätten die Landesgeschäftsführer ohnehin keinen Einblick gehabt, denn die Tochtergesellschaften werden vom Landesvorstand kontrolliert.

Dass der ASB während der Flüchtlingskrise nur einen spärlichen Gewinn von 700 000 Euro erwirtschaftete, während die Mitbewerber von den Johannitern, deren Leistungsumfang vergleichbar gewesen sei, rund 8,5 Millionen Euro Gewinn machten, sei ihnen im vergangenen Jahr nach einem Pressebericht zwar bekannt gewesen, hinterfragt hätten es beide aber nicht.

Kinderpornografie

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann muss der Assistent und Mitangeklagte des Hauptangeklagten noch einmal in den Zeugenstand. Bei der Durchsuchung seines Computers waren die Ermittler auch auf kinderpornografisches Material gestoßen.