Hildesheimer Allgemeine Zeitung

BäKo-Lager wird 2020 Magazin des RPM

Veröffentlicht von Martina Prante am 14.09.2018.

Hildesheim - Museen beherbergen materialisierte Erinnerungen der Vergangenheit. Aber wenn historische Objekte aus Holz, Gewebe, Stein oder Papier in feuchten Tiefgaragen, auf trockenen, heißen Dachböden oder zusammengepfercht in Abstellräumen aufbewahrt werden, sind Schäden vorprogrammiert.

Vier Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe sich darum bemüht, die Verbesserung der katastrophalen Magazin-Lage des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM) zu planen. Mit dem Kauf der BäKo-Halle in Bavenstedt als Zentraldepot für das RPM und das Stadtarchiv sieht die Zukunft nun besser aus. Bis dahin ist allerdings noch sehr viel zu tun: Immerhin müssen fast 500 000 Objekte aus Ägypten, der Naturkunde, Ethnologie, Kunst- und Stadtgeschichte umziehen.

Seit 2013 sind die Schätze des RPM laut Museumsdirektorin Regine Schulz „nur“ noch auf acht Magazine – davor waren es mit Schulen zwölf – verteilt: vom Löseke-Keller über die Portiunkula der Martinikirche bis zur Tiefgarage und dem Speicherhaus an der Wachsmuth- und Oldekopstraße. Allein die Außenmagazine ohne den Löseke-Keller kosten das RPM pro Jahr rund 132 000 Euro an Miete und Nebenkosten. „Zu teuer und außerdem nicht klimatisiert“, sagt RPM-Direktorin. „Eigentlich war es damals nur eine Zwischenlösung.“ Das Ende der im Jahr 2000 geschlossenen 20-Jahres-Verträge war die Deadline, um nach neuen Lösungen zu suchen.

Neubau oder Umbau

Die Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung um Ines Klemme und Stefan Wollersheim vom Stadtbauamt hatte in Zusammenarbeit mit RPM und Stadtarchiv unter anderem zu überprüfen, ob für ein zentrales Magazingebäude ein Neubau oder der Umbau eines alten Gebäudes sinnvoller sein sollte. Die Entscheidung fiel auf die ehemalige BäKo-Halle, in der bisher Lebensmittel für den Bäcker- und Konditoreibedarf gelagert wurden. 1,2 Millionen Euro zahlte die Stadt für die – so Schulz – „langfristig vernünftigere Lösung“. Immerhin stelle die städtische Sammlung ein Drittel des Vermögens der Stadt – und diese „ muss ihre Sammlungen erhalten“.

Knapp zwei Millionen Euro kosten die baulichen Maßnahmen wie Raumtrennung, Klimatisierung und Brandschutz, erklärt Stefan Wollersheim. Die Halle habe 4000 Quadratmeter Nutzfläche. Ein sieben Meter hohes Mehrplatzlagersystem – noch von der BäKo-Nutzung – vervielfache die Lagerfläche und biete genügend Platz für eine halbe Million Objekte aus den verschiedensten Sammlungsbereichen.

Speicher statt Fläche

Das Stadtarchiv wird auf seinen 500 Quadratmetern – aufgeteilt auf drei Räume – zunächst 1,6 Kilometer Archivgut einlagern. „Die Kapazität von 6,5 Regalkilometern reicht für die nächsten 30 Jahre“, betont Stadtarchivsleiter Michael Schütz. Und 2050 sei sowieso alles digital: „Dann brauchen wir Speicher statt Fläche.“

Beim Museum und seiner Verpflichtung zum Sammeln, Bewahren und Erhalten wird jedoch Fläche immer notwendig sein. In den bisherigen Umbaumaßnahmen bei BäKo ist allerdings bislang weder die Einrichtung noch die Aufarbeitung oder der Umzug eingeplant. „Das wird Monate dauern.“ Und wird teuer. Lene Wagner sprach im Kulturausschuss von 1,3 Millionen für 2019 und 2020, dazu gehören Verpackungsmaterial, der Transport der gereinigten und verpackten Objekte in ein Zwischenlager (in der unteren Etage der Martinkirche geplant), der Ab- und Aufbau sowie Transport der Roll- und Standregalanlagen.

Teurer Umzug

Darüber hinaus werden allein 150 000 Euro für einen Umzugsmanager („Ohne solche Fachleute wird es hinterher zu viel Arbeit und zu teuer“), 400 000 Euro für Restauratoren und 315  000 Euro für den endgültigen Transport benötigt. Bisher hat Schulz Drittmittel in Höhe von mehr als 310 000 Euro eingeworben.

Doch zuerst heißt es einmal, zigtausende von Objekten heil und vor allem „sauber“ ins neue Domizil zu bringen, damit die neue Lagerhalle nicht gleich wieder verunreinigt wird. So musste eine Firma mit Schadstoffanalysen beauftragt werden: „Vor allem in der Zoologie und der Naturkunde muss man mit Ungeziefer rechnen, aber auch mit Giften wie Arsen und Lindan.“ Die Mitarbeiter müssen mit Mundschutz oder teilweise Ganzkörperanzug arbeiten, „um sich zu schützen“.

Aus für Schädlinge

Zur Tötung von Ungeziefer sind Möglichkeiten wie Kältekammer und Stickstoffzelt diskutiert worden. „Im neuen Zentrallager wollen wir keine Schädlinge mehr haben“, betont Schulz. Jetzt wird ein Stickstoffzelt fest in der neuen Lagerhalle installiert.

Seit mehr als einem Jahr unterstützt eine Expertin bei der Inventarrevision in der Naturkunde Kurator Jürgen Vespermann und Registratorin Antje Spiekermann. Zusätzliche Mitarbeiter müssen eingestellt werden und beim Reinigen und Verpacken helfen. Ein Projekt mit der HAWK soll Schimmelbildung, insbesondere bei Holzobjekten, in Zukunft vermeiden.

Anderthalb Jahre hat das Museum noch Zeit für Untersuchung, Reinigung, Restaurierung und Umzug. „Das wird knapp, aber wir schaffen das“, hofft Regine Schulz.