Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Bilder aus dem Auge des Rock-Hurricanes

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 16.05.2018.

Hildesheim - Michael Jackson, David Bowie, Bob Dylan, Freddie Mercury, Madonna, Led Zeppelin, Pink Floyd: Neal Preston hat sie alle vor der Linse gehabt. Seine Fotos haben unser Bild vom Rock-Olymp geprägt wie sonst vielleicht nur seine Kollegin Annie Leibovitz. Von Donnerstag an ist eine Auswahl seines Schaffens in der Rasselmania-Halle zu sehen. Ohne Wenn und Aber: Die Ausstellung „In the Eye of the Rock’n’Roll Hurricane“ ist ein Muss für jeden Rockfan.

55 Fotos sind zu sehen, Sahnestücke aus einem Riesenkatalog. Besonders die energiegeladenen Konzertaufnahmen stechen ins Auge: Die frühesten stammen aus dem Jahr 1970, Janis Joplin in Toronto und die Doors in New York – von Neal Preston eingefangen, als er gerade mal 18 Jahre alt war. Bob Marley mit Mikrofon, gestochen scharf, oder Pete Townshend von den Who im Sprung – mit reichlich Bewegungsunschärfe, weil diese Energie damals keine Kamera der Welt hätte festhalten können. Peter Gabriel, vom Publikum an der Elfenbeinküste auf Händen getragen. Angus Young von AC/DC mit flirrenden Haaren. Prince im Wasserstrahl, der wie ein umgekehrter Orgasmus auf seinen Unterleib niederprasselt.

Inszenierte Bilder

Spannend und voller Spannung sind auch die inszenierten Bilder. Frank Zappa hat sich mit einem Papagei auf dem Kopf ablichten lassen. Led Zeppelin’s Robert Plant hält in der einen Hand eine Flasche Bier samt brennender Kippe, in der anderen ein weiße Taube. Bruce Springsteen steht gedankenverloren zwischen den leeren Stuhlreihen einer Riesenhalle im japanischen Kyoto.

Und dann ist da noch eine ganz besondere Bilderpaarung. Aretha Franklin hat sich verführerisch auf einen Barhocker drapiert. In ihrem Blick liegt aber etwas Trauriges, aus den Augenwinkeln scheint sie den 14- oder 15-jährigen Michael Jackson zu betrachten, den das Foto gleich darunter zeigt. Beide Bilder stammen aus dem Jahr 1973. Are-tha, die weitaus Ältere, lebt noch, Michael Jackson ist schon lange tot.

„Ich habe diese Bilder, zumindest teilweise, das erste Mal in New York gesehen“, erzählt Martin Bendel vom Rasselmania-Verein. Die Familie wollte shoppen, Bendel zog einen Galeriebesuch vor. Dabei lernte er die Bilderwelt Neal Prestons kennen, hin und weg vor allem wegen eines Fotos: Freddie Mercury von Queen, wie ein Bogen gespannt, vor dem weiten Rund des Wembley Stadions.

Deutsche mischen mit

Preston ist Amerikaner, doch für die Verbreitung seines Werks sorgt unter anderem eine deutsche Firma: Lightpower Collection aus Paderborn. Eigentlich ist das Unternehmen auf Bühnen- und Studiobeleuchtung spezialisiert. Firmeninhaber Ralph-Jörg Wezorke ist Preston-Fan und hat die „Hurricane“-Ausstellung unter anderem nach Las Vegas, Stockholm und Montreux gebracht hat. In diesem Frühjahr sollte sie nach Berlin gehen. „Aber dann haben wir den Zuschlag bekommen“, freut sich Martin Bendel, der vor einem guten Jahr den Kontakt zu Lightpower Collection aufgenommen hat. „Das Ganze ist aber nur durch das Engagement der Mitglieder möglich“, betont Bendel. Und durch die finanzielle Unterstützung der Sparkasse.

Drei Tage lang hat ein vierköpfiges Team aus Paderborn die Halle in der Nordstadt für die Ausstellung präpariert. Traversen beherrschen das Zentrum des Raumes, an ihnen werden weiße Leinwände als Bildhintergrund aufgezogen. Die Leinwände sind von hinten beleuchtet, jedes Foto bekommt zudem einen eigenen Spot. „In dem Licht beginnen die Bilder quasi zu schweben“, sagt Andreas Witt, der als Art Director den Aufbau leitet.

Bei der Vernissage werden die Fotos Donnerstag zunächst alle verhüllt sein, um dann Stück für Stück enthüllt zu werden – zum Sound eines Mixes aus Live-Aufnahmen der Portraitierten. Selten ist man ihnen so nah gekommen wie in diesen Fotos.

Die Ausstellung wird Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr im Bischofskamp 18 eröffnet, Einlass ist ab 18 Uhr. Bis zum 10. Juni ist sie mittwochs und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.