Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Boom bei E-Bikes: Branche fürchtet generelle Versicherungspflicht

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 10.07.2018.

HIldesheim - Immer mehr Elektro-Räder sind auf den Straßen und Radwegen unterwegs. Den weitaus größten Anteil haben daran die Pedelecs, deren Motoren auf höchstens 25 Stundenkilometer begrenzt sind.

Sie gelten als Fahrräder, dürfen Radwege nutzen, sind weder versicherungspflichtig noch müssen die Fahrer einen Helm tragen.

Jetzt hat die EU-Kommission angeregt, für diese Pedelecs eine Haftpflichtversicherung vorzuschreiben, die man für die schnelleren S-Pedelecs bereits braucht. Begründet wird der Vorstoß mit der erhöhten Unfallgefahr und dem Schutz für Opfer, die sonst vielleicht ihre Entschädigungsansprüche nicht durchsetzen könnten.

Bisher wenig Unfälle

Bisher sind die Unfallzahlen in Hildesheim jedoch nicht alarmierend: 35 Unfälle mit Elektrorädern gab es nach Auskunft von Matthias Küster, leitender Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei Hildesheim, von 2013 bis heute – in Stadt und Landkreis zusammen. Schwer verletzt wurde niemand dabei.

Allerdings ist auch ein Aufwärtstrend bei den Unfällen zu erkennen: In den Jahren 2013 und 2014 waren es je zwei, 2015 schon elf, 2016 sechs, 2017 wieder elf. Auffällig sei, dass alle Unfallbeteiligten älter als 45 Jahre alt waren, so Küster.

Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass manche ältere Fahrradfahrer mit den Geschwindigkeiten überfordert sein könnten.

Übungsrunde beim Händler?

„Eine Haftpflichtversicherung macht Sinn“, findet Manfred Steinbrecher, Vorsitzender der Verkehrswacht Hildesheim: „Die fahren ja wie verrückt.“ Er hielte es auch für sinnvoll, wenn Käufer beim Händler erst eine Übungsrunde einlegen müssten. Das tun sie bei Fahrradhändler Manfred Kracke in Asel manchmal tatsächlich. Er habe auch schon einem unsicheren Radler geraten, erst noch sein Gleichgewicht zu trainieren, sagt Kracke.

Der gute Rat habe dem Kunden allerdings nicht gefallen. „Wenn Sie mir keins verkaufen, kaufe ich das woanders“, war die Reaktion. Kracke rät Pedelec-Fahrern, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen. Einen Helm kauften die meisten Kunden ohnehin dazu. In seinem Geschäft sei schon jedes zweite verkaufte Rad eines mit Motor, davon machten solche bis 25 Kilometer pro Stunde 90 Prozent aus.

Auf diese Pedelecs beschränkt sich Händler Christian Emmel in Hildesheim bei den Elektrorädern ganz. Die anderen würden kaum nachgefragt. Bei der Kaufentscheidung spiele aber kaum eine Rolle, ob eine Versicherungspflicht bestehe oder nicht. Den meisten, sagt Emmel, seien die Pedelecs eben einfach schnell genug.

Mancher ist ohne Motor schneller

Der gute Absatz von Pedelecs werde den Stadtverkehr verändern, glaubt Emmel. Dann stiegen voraussichtlich auch die Unfallzahlen. Seiner Erfahrung nach kümmerten sich viele Fahrradbesitzer nämlich nicht ausreichend um die Wartung ihrer Räder. Über eine Haftpflicht sollte man da ruhig nachdenken, meint Emmel.

Dietmar Nitsche, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Deutschlands, sieht das anders: Die Versicherungspflicht wäre eine Benachteiligung der Pedelec-Nutzer gegenüber anderen Radlern, die mit Muskelkraft sogar schneller fahren könnten. Er sehe keine Vorteile, die den bürokratischen Aufwand aufwiegen würden.