Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Brunnerts Buch über einen Kletterfreund

Veröffentlicht von Martina Prante am 06.12.2017.

Hildesheim - Wenn Peter Brunnert von Bernd Arnold spricht, kommt er ins Schwärmen. „Großartig“ sei der, der „beste Kletterer der Welt“, eine „Legende sogar im Westen“, obwohl er aus dem Osten kam“. Und ein Freund.

Die Erstbegehungen des heute 70-Jährigen von Kletterwegen in der Sächsischen Schweiz in den 60ern und 70ern haben zur Einführung neuer Schwierigkeitsgrade geführt. Printmedien und Fernsehen haben den DDR-Kletterer rauf und runter gewürdigt. Was fehlte, war eine Biografie.

Und da gibt es eine Menge zu erzählen, denn Arnold war nicht nur ein Ausnahmekletterer, er hat auch – wie durch ein Wunder – 1988 einen Sturz in eine Eisspalte nach einer Kletterpartie auf einen 2000 Meter hohen Granitfelsen in Pakistan überlebt. Eine dramatische Geschichte, die erzählt und recherchiert werden wollte. „Du darfst das schreiben“, hat Bernd Arnold seinem Kletterfreund aus Hildesheim erlaubt.

Blut und Wasser geschwitzt

Das war 2012. Seitdem schwitzt Brunnert, der eigentlich Gymnasiallehrer für Französisch und Sport war, aber mangels Stellen letztlich viele Jahre im Vertrieb einer Detmolder Versicherungs-Anstalt gearbeitet hat, Blut und Wasser. Das Buch sollte nicht gefällig sein und nicht glorifizieren, sollte spannend, aber nicht reißerisch sein. Vor allem aber hatte Brunnert immer im Hinterkopf, dass Arnold es ja lesen müsste vor Erscheinen: Ob es ihm gefallen würde? „Noch nie hat mich ein Projekt so intensiv und so lange beschäftigt“, stöhnt der Autor rückblickend.

Denn eigentlich ist Peter Brunnert schreibend in Form von Kurzgeschichten auf der „Suche nach Pointen und witzigen Formulierungen“ auf die Kletterei abonniert. Selber in die Wand geht er seit einem Kletterkurs als 15-Jähriger „ganz furchtbar naiv und gefährlich“. Oft genug ist Brunnert dabei auf die Nase gefallen. Aber als Jugendlicher „fand ich das witzig“. Und die Kletterei bietet genügend Stoff für seine Bücher. Mit einem Kletterführer startete er 2002 in die schreibende Zunft. Seitdem sind sechs Bücher wie „Klettern ist sächsy!“, der Dauerbrenner „Wir müssen da hoch“ und zuletzt „Fisch sucht Fels“ – die Begegnung eines Flachlandgewächses mit dem Berg – erschienen. Ehefrau Beata motiviert den 60-Jährigen „und sorgt dafür, dass ich zielstrebig bleibe“.

Eine Frage der Herangehensweise

Das größte Problem für Autor Brunnert in Sachen Arnold war die Herangehensweise, zum Beispiel: Darf es ironische Bemerkungen und witzige Situationen geben? Wie und ob kommt er selber vor? Denn die Interviews mit Arnold sollten der Geschichte ja Authentizität verleihen. „Ich habe da lange gehadert“, gesteht Brunnert.

Weitere Informationsquellen waren Arnolds Tagebuch der verhängnisvollen Reise, dessen Einträge allerdings erst nach Vergrößerung und Abschrift lesbar wurden. Briefe an Frau und Tochter, Arnolds komplettes Fotoarchiv, seine Stasiakten und Gespräche mit den Expeditionsteilnehmern, mit Ärzten, Bergführern, Krankenhäusern, Ehefrau und Tochter kamen dazu.

Denn neben der Rettung sollte die Geschichte der halbjährigen Flucht – die keine war – im Fokus des Buchs stehen, das war Brunnert klar. „Eines der durchgängigen Themen ist, dass Bernd Arnold die DDR verlassen wollte, um zu klettern. Die Rückkehr war immer eingeplant.“

Jetzt ist das schmucke Buch „Ein Grenzgang“ auf dem Markt, und Brunnert stellt es bundesweit auf Lesereise vor. Zwischen den Lesungen sollen im Hildesheimer Tonstudio von Josef Goetzl weitere Hörbücher aufgenommen werden. Und der Autor ist erleichtert, denn nicht nur Arnold ist mit der biografischen Dokumentation zufrieden, auch das erste Feedback von Lesern zeigt mit dem Daumen nach oben.