Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Bürgermeisterwahl – die Entscheidung für Bad Salzdetfurth

Veröffentlicht von Ulrike Kohrs am 09.09.2018.

Seit über einem Jahr ist das Amtszimmer am Ende des Flures im ersten Stock des Bad Salzdetfurther Rathauses verwaist. Der ehemalige Bürgermeister Henning Hesse war zunächst krank und ist letztlich Ende Juli aus dem Amt ausgeschieden. Ein Nachfolger muss dringend her.

Am Sonntag, 16. Dezember, wird in der Kurstadt gewählt. Und derzeit bekunden auch schon die Ersten ihr Interesse am Posten des Bürgermeisters. Die Liste der Kandidaten ist allerdings noch kurz. Den ersten offiziellen Kandidaten hat kürzlich der FDP-Kreisverband aufgestellt (die HAZ berichtete). Einstimmig haben die wahlberechtigten Liberalen Thomas Seidler in den Wahlkampf geschickt. Dabei wird er nicht alleine bleiben. Mit Manfred Abmeier und Björn Gryschka wollen auch mindestens zwei Einzelbewerber ihren Hut in den Ring werfen. Die Männer stammen beide aus dem Bad Salzdetfurther Stadtgebiet.

Mit großer Spannung wird aber vor allen Dingen der Kandidat erwartet, den die Stadtverbände von SPD, CDU und Grünen suchen. Noch bis Mitte September läuft die bundesweite Ausschreibung. „Sie als unsere Bürgermeisterin / unser Bürgermeister sollten rhetorisch stark, zielstrebig und entscheidungsfreudig sein, mit Verwaltungserfahrungen in Führungs- und Leitungsfunktionen. Ihr Verhandlungsgeschick sowie Ihre kaufmännischen und juristischen Kenntnisse setzen Sie verantwortungsbewusst ein, um bürgernahe und transparente Entscheidungen zu treffen. Die Verwaltung mit 54 Mitarbeitern führen Sie motiviert, leistungsorientiert und mit hoher sozialer Kompetenz als modernes Dienstleistungsunternehmen“, so ein Part aus der offiziellen Ausschreibung.

Das klingt eher nach der Suche nach einem Firmenchef als nach einem neuen Stadtoberhaupt. Oder ist ein Bürgermeister inzwischen nichts anderes als ein Unternehmensboss? Wie sehen das SPD, CDU und Grüne, die beschlossen haben, einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen zu schicken? Bei den Stadtverbandsvorsitzenden Martin Wincek (SPD), Andreas Koschorrek (CDU) und Bernward Wehrmaker (Grüne) laufen die Bewerbungen auf – noch bis zum 19. September, dann ist Bewerbungsschluss. „Der Bürgermeister ist das Bindeglied zwischen der Verwaltung und der Politik“, sagt Wincek. Der Bürgermeister sei zum einen der Verwaltungschef und müsse die Verwaltung führen, er müsse aber auch zwingend mit allen politischen Parteien im Rat konstruktiv zusammenarbeiten und die Stadt aktiv voranbringen, ergänzt Koschorrek. Und er sollte einen gesellschaftlichen und politischen Gestaltungswillen mitbringen, so Wehrmaker.

Das Parteibuch spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. „Die Verwaltungskompetenz steht ganz klar im Mittelpunkt. Die ist der zentrale Baustein, um das Amt des Bürgermeisters seriös ausüben zu können“, erklären Wincek, Koschorrek und Wehrmaker unisono.

„Ein Amtsinhaber muss nicht unbedingt Jurist oder Betriebswirt und Verwaltungsfachmann sein, um erfolgreich zu arbeiten, auch wenn derartige Qualifikationen nicht direkt stören“, sagt Roland Schäfer. Der Mann ist hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Bergkamen in Nordrhein-Westfalen und Erster Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er hat sich intensiv mit dem Amt eines hauptamtlichen Bürgermeisters und seiner Bedeutung für eine Stadt auseinandergesetzt.

„Es ist völlig korrekt, dass für den direkt gewählten Bürgermeister keine formale Fachqualifikation und einschlägige Berufserfahrung gefordert wird“, so Schäfer. „Wenn man Demokratie ernst nimmt, muss man den Wählern auch zugestehen, dass sie wissen, was sie tun und wen sie für welches Amt wählen“, so Schäfer weiter. Dennoch macht der Bürgermeister auch keinen Hehl daraus, wie umfangreich die Aufgabenpalette für den ersten Mann einer Kommune ist. „Erforderlich sind da eher Kompetenzen im sozialen Bereich, Kommunikations- und Lernfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Organisations- und Führungserfahrung sowie eine gewisse Empathie in dem Sinne, dass man fähig ist, Strömungen, Meinungen, Trends und Stimmungen in der Bevölkerung zu erkennen und aufzugreifen“, sagt Schäfer. Wenn einerseits nicht der reine Verwaltungsfachmann gefragt sei, so sei andererseits aber auch weder der nette Mensch von nebenan noch der populistische Bierzeltkönig als Leitbild anzusehen, warnt er.

Für Schäfer ist der Idealtyp eines Bürgermeisters eine Mischung aus korrektem Verwaltungsfachmann, dynamischem Wirtschaftsmanager, einfühlsamem Sozialtherapeuten, weitblickendem Stadtplaner und volksnahem Vereinsmenschen. „In der Wirklichkeit wird es diesen Idealtypen aber natürlich niemals lupenrein geben“, gibt Schäfer zu.