Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Bürgerstiftung setzt sich für die freie Theaterszene ein

Veröffentlicht von Martina Prante am 12.06.2019.

Hildesheim - Die Bürgerstiftung Hildesheim zeigt seit acht Jahren ein Herz für die freie Hildesheimer Theaterszene – und greift dafür auch ins Portemonnaie. Die Gesamtsumme des Förderpreises ist zwar in diesem Jahr um 1000 auf 7500 Euro gesunken, die Bereitschaft aber bleibt, kündigt Vorstandsvorsitzender Reinald Bever eine Fortsetzung auch im kommenden Jahr an. Mittwoch Abend nun wurden die vier Förderpreise 2019 der Bürgerstiftung in Höhe von 7500 Euro im Theaterhaus vergeben. Die Entscheidung fiel nach dem Votum von HAZ-Kritiker Wanja Neite in Absprache mit Rainald Bever und seinem Stellvertreter Bernd Cast.

Unter dem neuen Vorsitzenden Bever gibt es drei erste Preise, die mit je 2000 Euro dotiert sind. Zum ersten Mal werden die Theaterdinosaurier – O-Ton Suse Wessel – auf diese Weise geehrt, Anlass ist das Stück „Planet B“. Es ist die Geschichte dreier Astronauten und ihrer Reise zum Mars – ohne Wiederkehr. Suse Wessel, Florian Brandhorst und Oliver Dressel haben recherchiert und gesammelt und den wahren Unglaublichkeiten den „gesunden Menschenverstand“ gegenüber gestellt.

Mehr Haltung zeigen

Fabian Wessel hat dem Szenario eine Bühne mit zwölf Bildschirmen und sieben Kameras verpasst und Raumanzüge entwickelt. „Früher haben wir einfach gemacht, die anderen sollten bewerten. Inzwischen haben wir mehr Haltung“, betont Suse Wessel. Mit dem Preisgeld plant Theater Kolchose eine Wiederaufnahme von „Planet B“ am 4., 5. und 6. Oktober im Weinsziehr.

Ein weiterer Preis geht an „I Hear You Talking“ der Gruppe heißes medium:polylux. Felix Worpenberg, Michael Kranixfeld und Mara May verwandeln das Weinsziehr in eine Klang-Werkstatt – auf der Suche nach der Macht der Stimme. „Ein faszinierender, traumhafter und kauzig inszenierter Workshop über Klang, Klangerzeugung, Sprechen und schiefes Singen“, schrieb Wanja Neite .

Noch einmal 2000 Euro bekommen edgarundallan, die den Preis damit zum zweiten Mal gewinnen, diesmal für „Milo, ich habe mich in die Sahara gebeamt“. In dem performativen Gefühlslabor zum Klimawandel wird Naturmaterial wie Sand, Stein und Eis zum Protagonisten: Wenn man nicht aufpasst, kriegt man am Ende nasse Füße. Mit dem Stück haben Marie Winnie Wilka, Sira Möller, Jonas Sausmikat und Mine Wenzel auch beim Wettbewerb KlimaSichten Erfolg gehabt.

Leerstand aufzeigen

Der Sonderpreis für Soziokulturelle Projekte in Höhe von 1500 Euro wird an Schüler der Friedrich-List-Schule und das Theaterpädagogische Zentrum verliehen. Gemeinsam hat man sich mit Leerstand beschäftigt. Erkenntnisse sind in „Shopfighting“ und „Black Season“ geflossen.

Enttäuscht zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung über das Ausbleiben der geladenen Vertreter von Universität, Theater für Niedersachsen und Freundeskreis 2025. Bever wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für dieses kulturelle Engagement der Bürgerstiftung. Man habe sich mit dem Förderpreis auch beim Call for Ideas für die Kulturhauptstadt beworben, bisher aber kein Gehör gefunden.