Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Caritasverband zieht die Notbremse

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 11.01.2018.

Hildesheim - Der Caritasverband hat auf die öffentliche Kritik an der personellen Besetzung der Service- und Beratungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit (Radius) reagiert: Der Sozialpädagoge Rabih El-Dick wird dort nicht weiter tätig sein. Die Caritas zieht ihn von dem Projekt ab und beschäftigt ihn an anderer Stelle weiter – auf seinen eigenen Wunsch, wie der Verband am Donnerstag in einer Pressemitteilung mitteilte.

Wie berichtet hatten Facebook-Posts aus den Jahren 2014 und 2015 den Sozialpädagogen eingeholt. Er hatte zwar selbst erklärt, damit nur Positionen von anderen zur Diskussion gestellt zu haben, die nicht seiner eigenen Meinung entsprachen. Doch das glaubten einige Beobachter nicht. Zum Beispiel ein Autor der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“, der in der Ausgabe vom vergangenen Sonnabend über die erst kürzlich eröffnete Caritas-Beratungsstelle schrieb: „Einer der beiden neuen Mitarbeiter ist ein über die Stadt hinaus bekannter radikaler Israelfeind.“

„Arbeit nicht überlagern lassen“

Das weist El-Dick nach wie vor entschieden zurück – und auch der Caritasverband betont in seiner Pressemitteilung, dass er nach wie vor nichts an der fachlichen Qualifikation und den politischen Einstellungen von El-Dick zu beanstanden habe. Zu diesem Ergebnis sei der Verband in den vergangenen Tagen nach einer sorgfältigen Prüfung gekommen. Aber: „Wir möchten die Arbeit von Radius nicht durch die aktuelle Diskussion über die Vorwürfe, die im Raum stehen, überlagern lassen“, erklärt Caritas-Vorstand John G. Coughlan. Der in die Kritik geratene Mitarbeiter könne nachvollziehen, dass seine Facebook-Posts auf Unverständnis gestoßen seien. „Er legt Wert darauf, dass er niemals antisemitisches Gedankengut verbreiten wollte und derartige Positionen auch nie vertreten hat“, heißt es weiter in der Mitteilung der Caritas.

Gegenwind wurde stärker

Vor einer Woche hatte der Verband noch erklärt, er sehe kein Problem, El-Dick weiter zu beschäftigen. Doch dann wurde der Gegenwind in den folgenden Tagen stärker. Das Justizministerium kritisierte die Caritas: Ihre Reaktion reiche nicht aus. Auch Sprecher mehrerer Landtagsfraktionen meldeten sich zu Wort und bewerteten die Rollen von El-Dick und seinem Arbeitgeber als problematisch. Nun folgt die Kehrtwende: Der Verband habe die öffentliche Kritik an der personellen Besetzung von Radius sehr ernst genommen, betont die Caritas. „Wir verurteilen ohne Wenn und Aber jede antisemitische Äußerung, egal von wem oder in welchem Kontext“, stellt Coughlan klar. Gleichzeitig betont die Caritas aber, dass es auch bei früheren Arbeitgebern, der Sozialagentur und der HAWK, keine Hinweise auf eine antisemitische Einstellung El-Dicks gegeben habe.