Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Clan-Razzia: Gericht weist Beschwerde ab

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 18.04.2019.

Hildesheim - 600 Einsatzkräfte, Durchsuchungen in drei Städten, darunter Hildesheim – diese Polizeiaktion im Zusammenhang mit Clan-Kriminalität hatte im vergangenen August für großes Aufsehen gesorgt. Nun hat das Landgericht Braunschweig eine Beschwerde zu den Durchsuchungen zurückgewiesen und sie für rechtmäßig erklärt.

Die Polizei hatte auf der Suche nach Beweismitteln im vergangenen August insgesamt zehn Wohn- und Geschäftsräumen in Hildesheim, Salzgitter und Hannover durchsucht und unter anderem Schusswaffen sowie „waffenähnliche Gegenstände“, Mobiltelefone und eine geringe Menge Cannabis sichergestellt. Zudem hatten Beamte mehreren Personen aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich Handschellen angelegt, da diese sich nicht eindeutig ausweisen konnten. Nachdem die Ermittler die Identität der Männer geklärt hatten, konnten sie wieder gehen. Angeordnet hatte die Durchsuchungen die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Konkret ging es um Beweismittel zu zwei Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung sowie schweren Raubes.

Die Vorwürfe der Großfamilie

Für Aufsehen sorgte damals auch die enorme Zahl an Einsatzkräften. Die war dem Hintergrund der Verdächtigen geschuldet: Sie gehören zu einer polizeibekannten libanesisch-kurdischstämmigen Großfamilie und deren Umfeld, die auch in Hildesheim wegen diverser Delikte mehrfach ins Visier der Justiz geraten war.

Die betroffene Familie legte Beschwerde beim Landgericht Braunschweig ein. Ihr Vorwurf: Die Durchsuchungen und die hohe Zahl schwer bewaffneter Spezialkräfte seien rufschädigend und übertrieben. Es sei übermäßig Gewalt angewendet worden und durch die Maskierung der Polizisten seien die anwesenden Kinder unnötig verschreckt worden.

Landgericht weist Beschwerde ab

Das Landgericht hat diese Beschwerde nun abgewiesen. „Weder die Anordnung noch die Durchführung der Durchsuchungen sind zu beanstanden“, gibt Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft, die Begründung des Gerichts wieder. „Das heißt: Es gab einen ausreichenden Verdacht für die Durchsuchungen. Und auch die Zahl der eingesetzten Polizisten war angemessen.“ Weil man den Verdacht hatte, dass man bei den Durchsuchungen Waffen finden werden, habe man auch damit rechnen müssen, dass Waffen gegen die Polizei eingesetzt werden, begründet Wolters.

In einem der beiden Verfahren, für die Beweismittel gesucht wurden, hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig mittlerweile Anklage erhoben. Zwei 27-jährige und 37-jährige Mitglieder der Großfamilie sollen zusammen mit weiteren, unbekannten, Tätern in Salzgitter einem Mann vor seiner Wohnung aufgelauert, ihm den Rucksack mit Geldbörse entrissen und das Opfer im Anschluss mit Baseballschlägern und Schlagstöcken zusammengeschlagen zu haben.