Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Das Elzer Handball-Internat kann den Abstieg verkraften

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 12.06.2019.

Hildesheim - Abzusehen war es schon eine Weile – seit vergangenem Wochenende ist es amtlich. Nach acht Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit steigen die A-Jugend-Handballer von Eintracht Hildesheim ab.

Insgesamt sind sie zehn Jahre lang erstklassig gewesen. Von 2009 bis 2011 spielten die Eintracht-Jungs in der Regionalliga Nord, das war seinerzeit die 1. Liga. Zur Saison 2011/12 wurden dann die vier Staffeln der U 19-Bundesliga eingeführt. Die Hildesheimer gehörten von Beginn an zum erlauchten Kreis. Bis heute. Jetzt müssen sie runter in die Oberliga.

Bis in die Herren-Bundesliga

Auf das Handball-Internat in Elze, das Eintracht gemeinsam mit der CJD-Christophorusschule auf die Beine stellt, habe der Abstieg keine Auswirkungen. Die nächsten Schuljahre seien gesichert, sagt Eintrachts Handball-Boss Gerald Oberbeck. Das Internat war ein Grund für die Erfolgsgeschichte der A-Jugend. Seit mehr als zehn Jahren werden dort junge, talentierte Spieler ausgebildet, die es später zum Teil bis in die Herren-Bundesliga geschafft haben.

Der aktuelle Absturz der U 19 aus dem Oberhaus war abzusehen. „Der diesjährige A-Jugend-Jahrgang ist nicht besonders stark“, erläutert Oberbeck. So schlossen die Einträchtler die 1. Liga Nord als abgeschlagener Tabellenletzter ab. In den anschließenden drei Relegationsrunden wurden schon vermehrt B-Jugend-Spieler eingesetzt, die demnächst in die ältere Junioren-Klasse aufsteigen werden. Aber sie konnten die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen und nutzten die Relegations-Chancen nicht. Ein Bundesliga-Ticket auf den letzten Drücker wurde nicht gelöst.

Oberbeck: „Man merkte schon, dass die B-Junioren jünger und körperlich unterlegen sind. Die meisten Gegner liefen ja mit A-Jugendlichen auf.“ Das wirkt sich im knallharten Kontaktsport Handball aus. „Aber es war knapp. In der ersten Relegationsrunde in Lafferde fehlte uns beim 18:18 gegen OHV Aurich nur ein Tor, dann wären wir erstklassig geblieben“, sagt Oberbeck – und: „Jetzt machen wir eben in der Oberliga weiter. Wir werden an der Rückkehr in die 1. Liga arbeiten.“ Das soll demnächst die Noch-B-Jugend richten. Von den handballerischen Fähigkeiten her könne das dieser Jahrgang, meint Oberbeck.

Am Internatsleben in Elze wird sich trotz des Abstiegs zunächst nichts ändern. Die Handball-Jahrgänge, die bereits angemeldet sind, bleiben auf der Christophorusschule. Sie können dort ihr Abitur machen und werden weiter sportlich ausgebildet.

Als Kollateralschaden sieht Oberbeck den Abstieg ohnehin nicht. Das Internat hat sich in den Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Schule und Sport sind hier sehr eng miteinander verzahnt. „Es wird morgens trainiert, und auch bei außerplanmäßigen Einheiten oder Lehrgängen reagiert das CJD schnell. Es sorgt immer dafür, dass die Jugendlichen Schule und Handball unter einen Hut bekommen.“ Das sei längst nicht in allen deutschen Leistungszentren so und fast wichtiger als die U 19-Bundesliga.

Das sagt Investor Delf Neumann

Mittelfristig will Gerald Oberbeck mit der A-Jugend aber zurück ins Oberhaus. Auch Eintrachts künftiger Investor Delf Neumann sieht es ähnlich. Der Abstieg ist für ihn zu verschmerzen. Aber auf Dauer müsse Eintracht wieder in der U 19-Bundesliga auflaufen. „Je höher die A-Jugend spielt, umso interessanter ist es, für gute Talente nach Hildesheim und Elze zu kommen“, sagt der Chef der Hildesheimer Unternehmensgruppe Gastro&Soul.

Auch in der Christophorusschule selbst ändert sich einiges. Schulleiter Eckhard Nührig geht demnächst in den Ruhestand. Er hat sich immer sehr für das Handball-Internat eingesetzt und es in Elze zur Chefsache erklärt. Wie sein Nachfolger das Ganze sieht, bleibt abzuwarten. „Ich will alles dafür tun, dass auch in der Zeit nach mir die Handballer bei uns eine feste Größe bleiben“, so Noch-Schulleiter Nühig.