Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Der Kutscher von Heersum braucht eine neue Bleibe

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 13.08.2019.

Heersum - Es traf Thomas Temme wie einen Schlag. In der vergangenen Woche erhielt er per Einschreiben die Kündigung für seinen Stall in Heersum. „Zum 31. Dezember muss ich raus“, sagt Temme. Der Derneburger ist jetzt in großer Sorge, dass die Kündigung auch das Aus für ihn als Kutscher und seinen Betrieb Reit- und Fahrstall Tommy bedeuten könnte. Nun ist er auf der Suche nach einem neuen Mietstall.

Landauer von 1904

Im Herbst 2017 verwirklichte Temme seinen Plan, als Kutscher Fahrten durch die Region Holle anzubieten (die HAZ berichtete). Der Mann kaufte sich Kutschen, etwa einen Landauer von 1904, in dem einst Herzogin Viktoria Luise chauffiert wurde, ließ eine Hochzeitskutsche in Königswinter bauen, die jeden Disney-Märchenfilmproduzenten vor Neid erblassen ließe und spannte seinen Quarterhorse Cash an.

Geschäft nahm 2018 Fahrt auf

„So richtig Fahrt nahm das Geschäft nach dem Bericht in der HAZ im vergangenen Jahr auf“, erinnert sich Temme. Sieben Monate im Jahr ist er gut beschäftigt, fährt Geburtstagskinder, Touristen, Hochzeitspaare. Meistens mit auf dem Bock: sein 18-jähriger Sohn Kilian. „Wir haben uns extra Kutscher-Uniformen schneidern lassen“, berichtet der Mittfünfziger. Den Kutscher, so erklärt Kilian Temme, erkennt man an den sechs Jackenknöpfen, den Beifahrer an fünf Knöpfen. „Wir haben sogar Kundenanfragen aus Schwerin“, berichtet Thomas Temme nicht ohne Stolz. Denn Kutscher wie er und sein Sohn, die ihre Gäste mit zwei PS durch die Landschaft der Gemeinde Holle fahren, vorbei am Schloss Derneburg oder am Schloss Söder und dazu noch viele Informationen bekommen, seien selten.

Am Ende kein Plus

Auch wenn Temme im vergangenen Jahr wirklich volle Auftragsbücher hatte, wird er durch seine Arbeit nicht reich. „Im Gegenteil. Im vergangenen Jahr habe ich 9000 Euro Minus gemacht“, erzählt Temme. Nur gut, dass der verrentete Dozent für Steuerrecht gut vorgesorgt hat und durch Mietshäuser ein regelmäßiges Einkommen hat.

Dennoch, auf sein Kutschunternehmen will er keinesfalls verzichten. Und so sucht er eine Bleibe, die groß genug ist, damit er seine sechs Kutschen und den kleinen Trecker unterstellen kann. Außerdem benötigen Hedda und Cash einen schönen Stall möglichst mit angrenzendem Auslauf. Und zu guter Letzt: Thomas Temme möchte unbedingt in der Gemeinde Holle bleiben. Direkt vom Stall aus das Innerstetal anzusteuern, ist ein Luxus, den Temme auch weiterhin anbieten möchte. „Es wäre so schön, wenn wir etwas Neues finden und dann einen Vertrag für mindestens zehn Jahre abschließen würden“, sagt Thomas Temme.