Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Der Landkreis hinkt hinterher

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 12.01.2019.

Kreis Hildesheim - Die Hildesheimer Krankenhäuser melden neue Geburtenrekorde, doch der Landkreis hat bei der Bevölkerungsentwicklung auch einiges aufzuholen. Das geht aus der niedersachsenweiten Auswertung des Landesamtes für Statistik für 2017 vor, die erst seit kurzem vorliegt. Demnach gehörte der Kreis Hildesheim in jenem Jahr unter den 37 niedersächsischen Landkreisen und acht kreisfreien Städten zu dem Drittel mit dem größten Bevölkerungsschwund. Während die Einwohnerzahl landesweit gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent stieg, ging sie im Kreis Hildesheim um 0,2 Prozent zurück, in absoluten Zahlen: um 660 auf 276.640 zum Ende des besagten Jahres. Auch die Stadt Hildesheim konnte diese kreisweite Entwicklung nicht bremsen, obwohl sie immerhin ein Plus von 0,1 Prozent zu verzeichnen hatte.

Noch nie so viele gestorben

In ganz Niedersachsen sind seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so viele Menschen in einem Jahr gestorben wie 2017, nämlich 93.713 Menschen. Das konnten die 73.020 Babys, die geboren wurden, nicht ausgleichen. Die Zuwanderung sorgte dafür, dass die Bevölkerung unter dem Strich trotzdem wuchs.

Im Landkreis Hildesheim war das Geburtendefizit noch deutlich größer als im Landesdurchschnitt. Geboren wurden 2186 Neubürger, gestorben sind 3768 Kreisbewohner. Bezogen auf 10.000 Einwohner gab es statistisch knapp 79 Geburten, aber 136 Todesfälle. Das Defizit liegt also bei 57 – landesweit allerdings nur bei 26. In der Region Hildesheim ging die Schere also deutlich weiter auseinander als im Rest von Niedersachsen.

Das lag laut Landesamt auch daran, dass im Raum Hildesheim relativ wenige Frauen im „gebärfähigen Alter“ leben, wie es offiziell heißt. Das führte 2017 dazu, dass die Geburtenrate nur in Goslar, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Holzminden, Northeim und Schaumburg noch niedriger lag als im Kreis Hildesheim. Die Geburtenrekorde der Hildesheimer Krankenhäuser liegen wie berichtet auch an der Tatsache, dass wegen des hohen medizinischen Standards der Kliniken auch viele Eltern aus Nachbarlandkreisen ihre Kinder dort zur Welt bringen.

Spitzenreiter bei der Zahl „echter“ Neubürger unter den Neugeborenen ist indes die Region Cloppenburg. Überhaupt, Cloppenburg ist im Saldo auch der Landkreis, dessen Bevölkerung am stärksten gewachsen ist – und der Kreis mit dem höchsten Anteil von Einwohnern unter 20 Jahren. Der lag dort bei 23,2 Prozent, landesweit bei 18,9 Prozent und im Kreis Hildesheim noch niedriger, nämlich nur bei 17,9 Prozent. Auf der anderen Seite ist in Hildesheim der Anteil der Senioren über 65 Jahren mit 23,2 Prozent höher als im Landesdurchschnitt (21,8 Prozent).

Trendwende ist eingeleitet

Die genannten Zahlen beziehen sich durchweg auf das Jahr 2017, dessen Statistik vom Landesamt zum Jahreswechsel veröffentlicht wurde. Inzwischen gibt es offenbar auch im Kreis Hildesheim eine Trendwende und in fast allen Kommunen des Hildesheimer Kreisgebietes mehr Neugeborene. Mehr dazu ist in der Printausgabe vom Dienstag auf der Seite „Thema des Tages“ zu lesen.