Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Die Sirenen heulen häufiger – warum?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 10.09.2018.

Bad Salzdetfurth/Bockenem/Sarstedt - Ihr durchdringender Heulton geht durch Mark und Bein. Derzeit beschleicht viele Bad Salzdetfurther das Gefühl, dass die Sirenen vor Ort öfter als üblich schrillen. Doch was steckt dahinter? Die Antwort: Jede Stadt und Gemeinde legt mit den Verantwortlichen der Feuerwehr selbst fest, wann die Sirenen heulen sollen.

Detailliert ist das Vorgehen in der sogenannten Alarm- und Ausrückeordnung geregelt – in die regionale Besonderheiten hineinspielen. So ist zum Beispiel für das Stadtgebiet Bad Salzdetfurth - festgelegt, dass die Leitstelle, wenn eine Brandmeldeanlage losgeht, gleich den ganzen Zug alarmiert – und damit grundsätzlich auch Sirenenalarm verbunden ist. „Es geht auch darum, dass tagsüber genügend Einsatzkräfte vor Ort sind. Viele Feuerwehrleute halten sich berufsbedingt ja nicht in der Stadt auf“, sagt der Pressesprecher der Feuerwehr Bad Salzdetfurth, Uwe Pepper. Dass die Bürger die Alarmierungen durch die Sirene gerade in der Nacht verstärkt wahrnehmen, könne er natürlich nachvollziehen. Einsätze könnten aber nun mal rund um die Uhr die Feuerwehrleute in Atem halten.

Zahl der Fehlalarme nicht höher

Pepper betont aber auch, dass die Zahl der Fehlalarme sich in der vergangenen Zeit nicht erhöht hat. Das kann auch Bockenems - Stadtbrandmeister Alfred Schneider bestätigen. Es gebe keine vermehrte Alarmierung durch defekte Rauchmelder. Der Stadtbrandmeister verweist ebenfalls auf die festgelegte Vorgehensweise. Wenn zum Beispiel bei Toyoda Gosei Meteor ein Alarm losbricht, heult wenig später auch die Sirene. Ähnlich sei es bei Vorkommnissen in Altenheimen, wo ein kompletter Zug ausrückt. Bei Bränden setzen sich Ortswehren und Tanklöschfahrzeuge in Bewegung.

In Sarstedt - hingegen lösen die Sirenen erst auf Weisung aus, sagt Feuerwehrsprecher Sebastian Blaut. Also bei „absehbar größeren Nummern wie dem Großbrand im ehemaligen Metro-Gebäude“, um dann wirklich den letzten Kameraden erreichen zu können. „Wenn bei jedem Einsatz die Sirenen losgehen würden, würde das den Rahmen sprengen“, meint Blaut.

„Stille Alarmierung“

Nur in den Ortsteilen gingen die Sirenen noch mit an. In der Kernstadt seien die Feuerwehrkräfte mit Meldeempfängern ausgestattet; mittels „stiller Alarmierung“ bekommen sie von der Leitstelle Einsatzart und Adresse übermittelt. Brände werden in die Gefahrenstufen B 0 (Kleinbrand) bis B 3 (Großbrand) eingestuft. Bei niedrigen Stufen wie B1 wie einer ausgelösten Brandmeldeanlage, fährt ein Team raus, um die Situation zu bewerten. „Manchmal löst ja auch nur Wasserdampf oder angebranntes Essen den Alarm aus.“

Sirenensignale in Deutschland

Seit der Abschaffung des Zivilschutznetzes 1992 gibt es keine einheitlichen Signale mehr. Jedes Bundesland legt diese selber fest und ist dafür verantwortlich, ob sie überhaupt ausgelöst werden. Folgende Signale werden fast überall übernommen:

Warnung der Bevölkerung - (ehemals Luftalarm): - auf- und abschwellender Heulton für eine Minute. Einsatz bei Terroranschlag, Hochwasser, Amoklauf, starkem Unwetter, Vorfall in Kraftwerken und Fabriken.

ABC-Alarm: - auf- und abschwellender Heulton, zweimal unterbrochen, Wiederholung nach 30 Sekunden Pause. Einsatz bei nuklearen Kampfmitteln, Freisetzung gefährlicher Stoffe, Vorfall in Kernkraftwerken und Chemiefabriken, Gefahr durch radioaktiven Niederschlag.

Entwarnung: - gleichbleibender Dauerton für eine Minute. Einsatz bei Ende einer Gefahr.

Feueralarm: - gleichbleibender Dauerton, zweimal unterbrochen, eine Minute. Einsatz bei Alarmierung der Feuerwehr, für die Bevölkerung nicht von Bedeutung.

Probealarm: - kurze Sequenz, zwölf oder fünf Sekunden. Einsatz als Funktionsprobe der Sirenen, es besteht kein Handlungsbedarf.