Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Dies alles läuft gerade schief bei der Eintracht

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 13.11.2017.

Hildesheim - Etwas mehr als ein Drittel der Saison ist in der 2. Handball-Bundesliga gespielt. Aufsteiger Eintracht Hildesheim hat nach einem starken Start mit 5:3 Punkten eine ebenso beeindruckende Talfahrt bis auf Rang 16 hingelegt und aus den vergangenen neun Spielen nur einen Zähler geholt. Besonders die indiskutablen Leistungen bei den jüngsten Niederlagen gegen die Rhein Vikings, Dessau und natürlich die 19:33-Pleite beim Mit-Aufsteiger VfL Hagen am Sonntag sind besorgniserregend. Es läuft einiges schief im Spiel der Hildesheimer.

Sorgenkind Nummer eins – der Kreisläufer: Niko Tzoufras kann wesentlich mehr, als er zeigt. Er war in den vergangenen Jahren ein Tor-Garant. Die Gefahr, die die Achse Robin John (Spielmacher) und Tzoufras einst ausstrahlte, ist bekannt. Momentan steckt der Kreisläufer in der Krise. Tzoufras wirkt behäbig, pflückt die Bälle längst nicht so sicher aus der Luft wie sonst und trabt eher über das Feld, als dass er läuft. Seine Tore fehlen. „Wir reden und versuchen, ihn aufzubauen“, sagt Trainer Gerald Oberbeck. „Das wird uns auch gelingen.“ In die Bresche springen könnte Abwehrchef Adam Papadopoulos, der ebenfalls Kreisläufer ist. Doch das klappt nur bedingt.

Sorgenkinder Nummer zwei – die Außenspieler: Meist konzentriert sich die gegnerische Abwehr auf den starken Hildesheimer Rückraum. Dann tun sich Räume für die Außenspieler auf. Doch diese Lücken kann Eintracht nicht nutzen. Okay, Linksaußen Lothar von Hermanni zeigt aufsteigende Form, aber da ist er auch der einzige. Nur 25 Tore hat das Team in den 13 Spielen über die Flügel erzielt – das ist im Vergleich zur Konkurrenz weit unter Durchschnitt: Der Tabellen-17. Hagen traf hier 46-, Mit-Aufsteiger Dresden 64- und der Drittletzte Eisenach 49-mal. Den beiden Außen-Youngsters Fin Backs (links) und Dimitri Ignatow (rechts) fehlt es an Erfahrung – und an Körpermasse, sich in Eins-zu-Eins-Situationen durchzusetzen. Rechtsaußen Maurice Lungela rennt seiner Form hinterher. Trainer Oberbeck kennt die Probleme, er verschweigt sie auch nicht: „Wir haben nicht die Finanzen, um teuer einzukaufen. Etliche Handballer, auch Außenspieler bewerben sich bei mir. Wenn ich einen richtig Guten hole, ist der teuer.“

Heimschwäche: Auswärts gaben die Einträchtler in dieser Saison meist eine gute Figur ab – mal ausgenommen von dem Hagen-Debakel. In der sogenannten Auswärtstabelle rangieren sie auf Platz zwölf im Mittelfeld. Fünf Punkte holten die Hildesheimer in fremden Hallen – und selbst bei den Niederlagen in Nordhorn und Dresden haben sie starke Leistungen geboten. Werden aber nur die Heimspiele zugrunde gelegt, ist Eintracht Vorletzter. Lediglich einen Punkt konnte das Team in der Volksbank-Arena erkämpfen (gegen Emsdetten). Zu wenig. Allerdings hatte Hildesheim bisher etliche Spitzenteams zu Gast. Gegen den Bergischen HC, Balingen oder Lübeck ist es in eigener Halle immer schwer, zu gewinnen.

Sorgenkinder Nummer drei – Torleute und Abwehr: Eintrachts Keeper Jakub Lefan kann den Gegner zur Verzweiflung bringen – er hat aber oft genug auch Schwächephasen. Dann muss Youngster Paul Twarz ran, doch dem fehlt die Erfahrung. 28 Prozent der Würfe hielt das Duo bislang. Das ist im Vergleich zu den anderen Teams unter Schnitt. Schuld daran ist aber auch die Abwehr. Sie lässt sich von der allgemeinen Verunsicherung anstecken. „Sie schwimmt oft. Dann sehen die Torleute schlecht aus. Es werden Stellungsfehler gemacht, die Deckung steht nicht so, wie vorher abgesprochen, und der Keeper ist der Dumme“, sagt Trainer Gerald Oberbeck.

Am Montag gab er seinem Team frei, um auf andere Gedanken zu kommen. Ab Dienstag müssen Oberbeck und seine Leuten die vielen Baustellen beackern.