Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Dommuseum: Hans Lambs Sicht auf den Sündenfall

Veröffentlicht von Martina Prante am 11.07.2018.

Hildesheim/Rössing - Adam und Eva sind Schuld, dass wir Menschen heute nicht im Paradies leben dürfen. Laut christlicher Theologie hat der Biss in die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis – in der Kunst gern als Apfel dargestellt – die Sünde über die Welt gebracht. Doch ist es auch eine Sünde, im Dommuseum ein Kunstwerk anzufassen, vielleicht sogar mit ihm zu spielen? Und wer ist Schuld, wenn dort ein Apfel auf den Boden fällt?

Hans Lamb spielt gern und verleitet gern zum Spielen. Und die Idee von „genius loci“, ein historisches Objekt mit einem zeitgenössischen Kommentar zu versehen, bezeichnet der 52-Jährige als „schöne Sache, das hat Witz“. Seine Installation ist ein Kommentar auf ein Paradies-Motiv, das hinter dem Lettner im Dommuseum hängt. „In das Relief hab ich mich verguckt“, erklärt der Professor für plastisches Gestalten und Grundlagenlehre an der HAWK.

Live beim Crime dabei

„Man ist live beim Crime dabei“ kommentiert er die Szene mit Adam und Eva und Baum und Schlange. Und in seiner Stahlskulptur will er die Frage nach Schuld und Geschlechterrollen neu stellen. Auf die spielerische Art, denn der Besucher soll mit Hilfe von Äpfeln das Gleichgewicht auf der stählernen Wippe wieder herstellen. „Dabei gibt es Momente von Überraschung und Angst, etwas zu kaputt zu machen, wenn es schief geht.“ Womit man wieder – augenzwinkernd – bei der Frage der Schuld wäre.

Die Wippe wird über Kugellager auf einem Sockel platziert. Die titelgebenden Buchstaben Ave Mada sind von der Firma Metallforum Metallbau in Ahrbergen mit dem Laser aus der Stahlplatte herausgeschnitten werden. Rückwärts gelesen ergeben sie einen Sinn. Lamb spielt gern mit Sprache und Form. Bestes Beispiel ist die Skulptur Rotor am Kreisel Sachsenring: „Bewegte 3D-Sprachbilder, die man anfassen und anhalten kann“, beschreibt der Künstler seine Vorlieben.

Für etwas brennen

Lamb hat in Mainz Lehramt und freie Kunst studiert, seit zehn Jahren wohnt und arbeitet er mit Frau und zwei Töchtern in Rössing. In seinem Atelier zeugen zahlreiche Objekte von einer bewegten Vergangenheit. „Man muss für etwas brennen, dann kann man es auch besser vermitteln. Und man lernt weiter, wenn man arbeitet“, beschreibt er die Lust an der freien Kunst.

„Ausgestellt hab ich länger nicht, weil ich mich auf mein Unternehmen Business-Art-Works konzentriere.“ Dort entwickelt er maßgeschneiderte Kunst für Firmen und Institutionen. So schnäbeln am Sprachheilzentrum der Awo in Bad Salzdetfurth zwei grüne Spatzen an der Außenfassade miteinander.

Lamb kommt vom Holz und hat sich vom Figürlichen inzwischen der freien Form zugewendet. Aber gern „mit Bezügen zum Thema Baum“ oder der Astgabel als Entscheidungsstelle „wie eine Weiche“. Inzwischen arbeitet der Professor auch mit Stahl, „weil der Wechsel zwischen den Verfahren und der Ästhetik reizvoll ist“.

Die Ausstellung „Genius loci“ zum 40-jährigen Bestehen des Museums wird am 16. August um 17 Uhr im Dommuseum eröffnet und ist bis zum 9. September Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.