Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Ehemaliger ASB-Assistent: Kinderpornos aus Versehen?

Veröffentlicht von Kimberly Fiebig am 09.10.2019.

Hildesheim - Beim Prozess um die veruntreuten 8,1 Millionen Euro beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hannover wird nur noch gegen zwei Angeklagte verhandelt. Das Verfahren gegen die Ehefrau des ehemaligen Assistenten der Geschäftsleitung, der gemeinsam mit seinem aus Hildesheim stammenden Ex-Chef hohe Geldsummen veruntreut haben soll, wurde am Mittwoch abgetrennt. Ihr inzwischen getrennt lebender Ehemann äußerte sich zum Vorwurf des Besitzes von Kinderpornografie. Auch der Hauptangeklagte wurde erstmals befragt – ohne Öffentlichkeit.

Ehemaliger ASB-Assistent: „Ich bin nicht pädophil“

Die Polizei hatte im Frühjahr bei Durchsuchungen auf der Festplatte des 37-Jährigen aus Bad Münder eindeutige Aufnahmen von drei Kindern gefunden. Als der zweifache Familienvater sich dazu äußerte, hatte seine Ehefrau den Saal schon verlassen. Die Kammer hatte ihr Verfahren abgetrennt, um den Prozess zu beschleunigen. Der 36-jährigen Mutter wird Beihilfe zur Geldwäsche vorgeworfen. Die Hartz-IV-Empfängerin habe leichtfertig gehandelt, sagte die Kammer, nun soll gesondert gegen sie verhandelt werden. „Und ich gehe davon aus, dass das schnell geht“, sagte Richter Volker Martin am Mittwoch. Wahrscheinlich, dass die Frau dabei mit einer Geldbuße, einer Arbeitsauflage oder einer Kombination aus beidem davonkommt. Die Frau aus Bad Münder wirkte sehr erleichtert, konnte schon während der Aussagen ihres Mannes zuvor ihre Tränen nicht zurückhalten.

„Ich bin nicht pädophil“, beteuerte ihr Mann dann vor Gericht. Der Familienvater bestätige aber, im Besitz von 2500 bis 3000 Erotik-Videos mit sogenannten Live-Chat-Aufnahmen gewesen zu sein. Die Dateien habe er sich legal von einer Online-Plattform heruntergeladen, sie zeigten hauptsächlich leicht bekleidete Frauen, die vor einer Kamera posieren und mit dem vermeintlichen Zuschauer sprechen. Dass sich darunter auch Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen befanden, habe er nicht gewusst.

Ermittler stießen auch auf Fotos von Kindern und Jugendlichen, die der Angeklagte persönlich kannte. Er bestritt jedoch vor Gericht, sie vorsätzlich anzüglich fotografiert zu haben. Wie die Aufnahmen in dem Ordner landen konnten, das sei ihm nicht klar.

ASB-Geld für SUV und Pool

Wie berichtet, soll der 37-Jährige seinem ehemaligen Hildesheimer Chef in acht von 16 Fällen geholfen haben, Geld für den Betrieb von Flüchtlingsheimen zu veruntreuen. So landeten zum Beispiel 27 000 Euro vom ASB auf seinem Konto – Geld, von dem er sich ein SUV kaufte, sein Haus renovierte und einen Pool zulegte. Vor Gericht betonte er immer wieder: Der Hauptangeklagte sei bei jeder Transaktion, Rechnung und Entscheidung im Bilde, ja sogar der Ideengeber gewesen. Dessen Verteidiger, Wilhelm-Michael Bruns, widersprach und berief sich dabei auf Aussagen seines Mandanten bei der Polizei. Demnach habe der Hauptangeklagte von alldem nichts gewusst.

Gesundheitszustand des Ex-ASB-Chefs müsse geschützt werden

Bei der Verhandlung schwieg der 46-Jährige weiterhin – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Öffentlichkeit den Saal verlassen musste. Die Kammer entschied sich dafür, weil es um seinen Gesundheitszustand ging, der Teil seiner Privatsphäre sei. Zuvor hatte der Hauptangeklagte mal mit fast geschlossenen, mal mit weit aufgerissenen Augen vor sich auf den Tisch gestarrt. Zwischendurch schüttelte er öfter kaum merklich den Kopf.

Der Prozess wird am 21. Oktober fortgesetzt. Die Öffentlichkeit ist dann wieder zugelassen.