Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Ein bekanntes Gesicht und Wut über die Kantenbälle von Jäckel

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 27.03.2019.

Emmerke oder Barienrode – wer verliert das Abstiegsduell der Tischtennis-Landesliga?

Von Andreas Kreth

Emmerke. Vor zwei Jahren haben sie vor 100 Zuschauern um den Aufstieg in die Tischtennis-Landesliga gekämpft. Der SV Emmerke schaffte es. Ein Jahr später folgte der SC Barienrode. Jetzt spielen sie vor 50 Zuschauern gegen den Abstieg. „Natürlich gehe ich davon aus, dass wir es schaffen“, sagt Helge Miethe. Er ist das bekannteste Gesicht im SC-Kader: Der Sprecher der Stadt Hildesheim hatte in den 1990er-Jahren Einsätze als Ersatzspieler beim Zweitligisten TTS Borsum.

Als ob gerade ein Bus vorgefahren ist, kommt ein Schwung Zuschauer unmittelbar vor Spielbeginn in die Emmerker Turnhalle. Lässig trägt Philipp Schodder an einem Arm eine Kiste Bier herein. Sein Begleiter Dominik Wirries erklärt: „Ich spiele seit 20 Jahren in Barienrode, bin jetzt nach Frankfurt gezogen. Vielleicht können wir unseren Verein zum letzten Mal in der Landesliga spielen sehen.“ Er schnappt sich ein paar Flaschen und verteilt sie an die anderen Gäste.

SV-Spartenleiter Wolfgang Bunnenberg hat nichts dagegen, obwohl auch er eine Kiste nebst Spendendose aufgestellt hat. Im Brustton der Überzeugung sagt der 63-Jährige: „Wir werden gewinnen. In eigener Halle fühlen wir uns sicherer. Hier haben wir auch den Großteil der Punkte geholt.“ Er nickt Daniel Jäckel zu. Der Emmerker Kapitän sagt in seiner Begrüßung gerade: „Ihr müsst siegen – aber wir wollen es auch. Feuer frei.“ Barienrodes Mannschaftsführer Timo Schröder kontert: „Wir wollen euch ärgern.“

Die Tischtennissparte des SC erlebt derzeit einen großen Aderlass bei den anderen Mannschaften, aus den verschiedensten privaten Gründen. „Sonst hätten wir einen noch besseren Unterbau“, sagt Helge Miethe. Er hat seine Söhne Joel (12) und Maris (9) mitgebracht. Sie sind selber gute Spieler. Joel wird im Kreiskader von Pascal Wodniczak trainiert, Maris im Landeskader von Daniel Jäckel. Beide Verbandstrainer spielen hier und heute für Emmerke gegen das Team des Vaters. Miethe: „Ich habe sie gefragt, für wen sie denn sind, wenn wir gegeneinander spielen. Natürlich für Papa, haben sie gesagt, auch wenn sie Respekt vor ihren Trainern haben.“

Das mit dem Ärgern klappt tatsächlich. Es ist auffallend ruhig in der Halle. Nur die Spieler selbst geben ab und zu Kommentare ab. Als der Emmerker Max Kalinka den kleinen Ball ins Netz haut, verlieren er und Gero Minkwitz ihr Doppel gegen Miethe/Schröder. Den zweiten Punkt für die Gäste holen Jonas Engau und Sean-Patrick Mathews gegen Jäckel und Benjamin Wodniczak. Dagegen unterliegen Vadim Schönknecht und Philipp Jacobs, der kurzfristig für den erkrankten Julian Hölscher eingesprungen ist, den Emmerkern Janik Schöler/Pascal Wodniczak. Barienrode führt nach den Doppeln mit 2:1.

Helge Miethe freut sich: „Wir spielen mit der selben Mannschaft wie letztes Jahr in der Bezirksoberliga.“ Viele hätten noch nie so hoch gespielt, schon das sei ein Erlebnis. Mit seinem Sieg gegen Pascal Wodniczak, den einen Trainer seiner Söhne, bringt er die Barienroder mit 3:2 in Front – schaffen sie es wirklich, dem Abstieg noch zu entkommen?

Plötzlich wird der 45-Jährige nervös, sagt leise: „Mathews gegen Jäckel, das wird ein Knackpunktspiel.“ Es läuft gar nicht gut für Mathews, den sie Ombre nennen. „Ombre, du musst dich mehr bewegen“, ruft Miethe. Im nächsten Moment stöhnt Mathews nach einem unerreichbaren Kantenball: „Er trifft schon wieder die Kante.“ Wütend knallt er seinen Schläger auf die Platte. Am Ende verliert der Nordire klar. Emmerkes Spartenleiter Bunnenberg stellt die Anzeige zufrieden auf 5:3.

Beim SC kommt Sand ins Getriebe. Nur Helge Miethe gewinnt noch das Spitzeneinzel. Er nutzt den zweiten Matchball gegen Janik Schöler. Bald liegen die Nerven blank. „Streng dich wenigstens mal zehn Prozent an“, brüllt sich Vadim Schönknecht selber an. Nach 165 Minuten großem Kampf gewinnt Emmerke mit 9:4 und besiegelt den Barienroder Abstieg. „Macht nichts, das ist kein Beinbruch“, sagt Helge Miethe. „Wir haben es versucht und sind gescheitert, haben unsere Haut trotzdem teuer verkauft. Nächstes Jahr unternehmen wir einen neuen Anlauf.“ Das Team bleibt wohl weitgehend zusammen.

Die Emmerker grinsen. „Wir haben es jetzt in den eigenen Händen, dem Abstieg noch zu entkommen“, sagt ihr Kapitän Daniel Jäckel. Noch liegt das Team auf dem Relegationsplatz. Doch das kann es am 13. April daheim gegen Seelze II und am 14. April in Ahlten ändern.

Und wenn nicht? Vielleicht spielen Emmerke und Barienrode in einem Jahr wieder vor guter Kulisse – dann um den Aufstieg ...