Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Einst und heute: Schuhstraße 1939

Veröffentlicht von Christian Harborth am 16.04.2018.

Hildesheim - Ein wenig verwackelt? Mit dem günstigen Einsteigermodell geknipst? Die im ersten Kriegsjahr 1939 festgehaltene Schwarzweiß-Aufnahme aus der unteren Schuhstraße ermöglicht dem Betrachter kein wirkliches Studium der gezeigten Schilder. Aber die Geschäfte waren natürlich bekannt, so dass man heute sicher sagen kann: Am einzigen Fachwerkhaus der gezeigten Häuserreihe warb Hermann Olms damals in großen Lettern für seine Buchhandlung.

„Hermann Olms – Schulbücher Buchhandlung“ war am Laden zu lesen, der sich in Hausnummer 16 befand. Die Filiale war 1920 eröffnet worden, um die Schüler des Andreas-Realgymnasiums (seit 1938 Scharnhorstschule), die im Nebengebäude im nahen Pfaffenstieg untergebracht waren, beim Kauf ihrer Schulbücher gleich mit dem Namen Olms vertraut zu machen. 1925 übernahm der Sohn Georg Olms hier die Leitung.

Moderne Bauten der Kaiserzeit prägten den Straßenzug zu dieser Zeit. 1945 wurden sie alle zerstört. Beim Wiederaufbau ließ die Stadt die Schuhstraße verbreitern und als neue West-Ost-Achse der Stadt bis zum Hindenburgplatz verlängern. Dabei bekamen die Grundstücke auch neue Nummern: Bis 1945 waren hier die Häuser Schuhstraße 14 bis 19 zu finden, nach 1945 Schuhstraße 2 bis 6.

Der Wiederaufbau dauerte teilweise sehr lange, so war Nummer 4 noch bis 1977 ein Trümmergrundstück. Nur das Erdgeschoss der Vorkriegsbebauung war erhalten geblieben, hier befand sich seit November 1967 die legendäre Gaststätte „Hipetuk“. Im September 1978 konnte der Bernward Verlag mit seiner Buchhandlung einen Neubau beziehen. Der Erker an der Fassade wurde dabei besonders bewundert. „Hier wurden zehn Füllbretter eines 1886 abgebrochenen Hauses in der Markstraße 60/61 wiederverwendet, die zwischenzeitlich ein Haus in der Peiner Landstraße geziert hatten“, sagt Sven Abromeit, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins.