Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Eintrachts Neuzugang kommt auf Empfehlung Bob Hannings

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 11.07.2019.

Hildesheim - „Apfelsaft oder Apfelschorle?“, fragt Max Mißling den kleinen Adrian. Er möchte „Saft!“ Mißling nickt und marschiert ins Versorgungszelt. Gerade will er Adrian die Trinkflasche bringen, da ruft Julian (7) dazwischen: „Und ich will Schorle!“ Wieder zurück ins Zelt zum nächsten Erfrischungsdrink mixen. Max Mißling erledigt es mit stoischer Ruhe.

Mißling ist der einzige Feldspieler, den der Handball-Drittligist Eintracht Hildesheim für die kommende Saison neu verpflichtet hat. Ein Linkshänder für den rechten Rückraum. Eine der ersten Aufgaben in seiner neuen Heimat Hildesheim: den Nachwuchs betreuen. Wie immer im Sommer läuft nämlich seit Dienstag das Ferien-Handballcamp der Eintracht auf dem Gelände „An den Sportplätzen“. Dabei werden die Kinder von den Profis aus der Drittliga-Mannschaft trainiert – teils sind die Kleinen Anfänger, andere spielen bereits in Vereinen.

Gemeinsam mit Jugend-Trainerin Beate Ulke und Eintracht-Torwart Jakub Lefan kümmert sich Mißling um die Sechsjährigen. „Das erinnert mich an meine eigene Zeit als Handball-Kind. Wenn man die so beobachtet, sieht man, wie man selbst mal angefangen hat.“

Seit dem 1. Juli ist Mißling in Hildesheim. Die Vorbereitung auf die Drittliga-Saison läuft bereits – mit Lauf- und Athletikeinheiten sowie Mannschaftstraining. „Da ist das Handballcamp eine schöne Abwechslung“, findet der Linkshänder.

Seine neue Bleibe hat Mißling bereits bezogen. Er übernahm die Wohnung von Rückraumspieler Julius Heil, der die Eintracht zum Ende der vergangenen Serie Richtung Oranienburg verlassen hat. Mißling wurde beim Einzug kräftig unterstützt. Der Zwei-Meter-Hüne Max Berthold und Kreisläufer-Muskelmann Niko Tzoufras packten mit an. Möbelschlepper hätten es nicht besser machen können. „Das ging schon ziemlich fix mit den beiden“, meint Mißling und grinst.

Mit Bob Hanning verhandelt

Der Neue ist erst 20 und spielte zuletzt zwei Jahre lang für die U 23 der Füchse Berlin in der 3. Liga. „Ich habe mich bei den Füchsen umgehört, wie meine Chancen stehen, in die erste Mannschaft zu kommen.“ Aber für die 1. Bundesliga reicht es noch nicht. Daher wollte der 1,90-Meter-Mann den nächsten Schritt gehen – er entschied sich für Hildesheim. Weil es eine gute Adresse sei, dazu ein Mann für den rechten Rückraum gesucht wurde, und obendrein Füchse-Chef Bob Hanning und Eintracht-Geschäftsführer Gerald Oberbeck befreundet sind. „Ich denke, ich kann mich hier weiterentwickeln. Eintracht will wieder in die 2. Liga“, so Mißling. Er unterschrieb einen Zwei-Jahresvertrag. Aber sein Traum ist es, irgendwann einmal in der 1. Liga zu spielen.

Eintracht-Boss Oberbeck hofft, dass sich der Neue schnell integriert: „Er hat einen starken Wurf, ist jung, dynamisch und lernwillig.“ Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und Oberbeck unterhielten sich offen über die Personalie – auch über Mißlings Defizite. „Max trifft im Angriff nicht immer die richtigen Entscheidungen – ob er nun selbst aufs Tor werfen, besser auf die Außen oder an den Kreis passen soll. Da muss er noch lernen“, sagt Oberbeck. Und Mißling will lernen. Deshalb ist er gekommen.

Apropos lernen. Er hat bereits vier Semester Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Berlin studiert. Wegen des Umzugs nach Hildesheim wechselt er nun an die Fern-Uni Hagen. „Nur Handball reicht mir nicht aus. Ich brauche auch etwas für den Kopf.“

Geboren und bis zu seinem sechsten Lebensjahr aufgewachsen ist Mißling in Wolfsburg. Deshalb sei Hildesheim auch ein bisschen wie nach Hause kommen. Wegen des Jobs seines Vaters Marc zog die Familie vor 14 Jahren nach Malente. Dort begann klein Max damals mit dem Handball. Als sich sein Talent herauskristallisierte, ging er zum VfL Bad Schwartau, spielte mit dem Klub in der A-Jugend-Bundesliga. Die nächste Station war dann Berlin, und jetzt ist es Hildesheim. „Mein Ziel mit der Eintracht ist der Aufstieg. Es gibt aber einige Mannschaften in der 3. Liga, die mit uns auf Augenhöhe sind“, sagt er und zählt Dessau, Rostock, Schwerin, Potsdam und Oranienburg auf.

Wenn ein Jakov Gojun zupackt

Bei den Füchsen in Berlin trainierte der 20-Jährige oft mit der ersten Mannschaft. Er spielte mit dem Bundesliga-Team auch bereits im DHB-Pokal oder bei Vorbereitungsturnieren. Die 1. Liga sei im Vergleich zur 3. Liga und der U 23 eine andere Welt. Von der Technik her halte sich der Unterschied in Grenzen – aber die Körperlichkeit mache es aus, meint Mißling. „Wenn im Training Berlins Abwehrchef Jakov Gojun mit seinen 2,04 Meter mit 113 Kilo zupackt, weißt du Bescheid.“ Er sagt es und marschiert wieder zu den 1,40 Knirpsen des Eintracht-Handballcamps. „So, weiter gehts!“