Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Emma Hinze ist nach Miriam Weltes Rücktritt geschockt

Veröffentlicht von Thorsten Berner am 09.10.2019.

Hildesheim/Cottbus - „Das war schon ein Schock für mich“, sagt die erfolgreiche Hildesheimer Bahnradsportlerin Emma Hinze zum Rücktritt ihrer Teamkollegin Miriam Welte. Mit der 32-jährigen Olympiasiegerin aus Kaiserslautern verliert Hinze ihre Partnerin.

In diesem Jahr wurde das Duo Deutscher Meister und holte Bronze bei der Weltmeisterschaft. Gemeinsam wollten sie auch bei der Europameisterschaft und den nächsten Weltcup-Rennen im Teamsprint starten. „Mit weiteren guten Ergebnissen wollten wir uns für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren“, sagt die 22-jährige Hildesheimerin, die am Olympia-Stützpunkt in Cottbus trainiert.

Gibt es einen Plan B?

Dieser Plan hat sich zerschlagen, weil Miriam Welte in der vergangenen Woche ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärte. Ihr fehlt die Motivation: „Ich wollte verhindern, als Touristin nach Tokio zu reisen“, erklärte sie. „Um eine dritte olympische Medaille zu gewinnen, wäre in den nächsten Monaten zu viel Quälerei nötig gewesen. Dazu bin ich nicht mehr bereit.“

Natürlich müsse man die Entscheidung respektieren, erklärt Hinze. „Gerechnet habe ich damit aber nicht, Miriams Schritt kam ziemlich plötzlich.“ Auch Bundestrainer Detlef Uibel musste diese Entscheidung „erstmal sacken lassen“. Er hatte fest mit Welte für Tokio geplant – an der Seite von Emma Hinze.

Wie geht es jetzt weiter? Gibt es einen Plan B? „Wir müssen jetzt alles umstellen“, sagt die Hildesheimerin. Sie soll nun zusammen mit Lea Sophie Friedrich starten. Die 19-Jährige aus Dassow zählt wie Hinze zu den größten Hoffnungen im deutschen Bahnradsport. Sie hat mehrere nationale und internationale Juniorentitel gewonnen und ist amtierende Deutsche Meisterin im Sprint und Keirin (Kampfsprint). Die Klasse von Miriam Welte (Olympiasiegerin, vierfache Welt- und Europameisterin im Teamsprint mit Kristina Vogel und 21-malige Deutsche Meisterin) hat Friedrich aber noch nicht.

Was bedeutet Weltes Rücktritt nun für Emma Hinzes Olympia-Ambitionen? „Einfacher wird es sicher nicht“, sagt sie. „Lea und ich verstehen uns sehr gut, aber wir sind erst einmal zusammen gefahren. Wir müssen uns aufeinander einstellen.“ Viel Zeit bleibt dafür nicht. Am kommenden Mittwoch beginnt die EM in Apeldoorn (Niederlande). Dort geht es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation.

Nächste Woche zur EM

Zwar startet Emma Hinze auch in einigen Einzelwettbewerben. Aber dort sei es wesentlich schwieriger, sich für Tokio zu qualifizieren als im Teamsprint, erklärt sie. Zumal der 500-Meter-Sprint keine olympische Disziplin ist. Auch dank der guten Ergebnisse von Welte und Hinze liegt Deutschland im Teamsprint derzeit unter den Top-Fünf in der Weltrangliste. Das würde für Olympia reichen. „Die acht weltbesten Teams sind dabei“, erläutert Hinze. Zusammen mit Lea Friedrich muss sie diese gute Ausgangsposition nun bei der EM und den Weltcuprennen in Minsk, Glasgow und Hongkong verteidigen. Das wird nicht leicht. Alle Weltcups finden im November statt.

Die Crux: Zwar ist nach Weltes Rückzug die nationale Konkurrenz etwas geschrumpft, aber es wird schwerer, internationale Spitzenplätze und damit Olympia zu erreichen. Außerdem macht sich neben Hinze und Friedrich auch die Magdeburgerin Pauline Grabosch Hoffnungen auf Olympia. Aber nur zwei dürfen nach Tokio. Wer das sein wird, entscheidet Bundestrainer Uibel im März nach der Weltmeisterschaft in Berlin.

Auch wenn Weltes Schritt ein harter Schlag für sie war, denkt Emma Hinze positiv: „Ich bin topfit und will es jetzt zusammen mit Lea hinkriegen. Wir wollen bei der Europameisterschaft um eine Medaille kämpfen.“