Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Er will Geld für die Hanse – im Landkreis kriegt er nicht überall was

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 16.04.2018.

Hildesheim - Die Hanse? Ehrbare Kaufleute, die vor Jahrhunderten in ganz Europa Handel trieben und mit ihren dickbauchigen Holzschiffen, Koggen genannt, in Nord- und Ostsee Jagd auf Seeräuber wie Klaus Störtebeker machten. Und heute? Der Grund dafür, das Hamburg das Autokennzeichen HH hat und Bremen HB, weil beide offiziell Hansestadt heißen. Aus Tradition.

Doch auf die Tradition will sich die Hanse nicht mehr beschränken. Vielmehr hat der Verbund seit den 80er-Jahren eine Art Wiederauferstehung gefeiert. Zwar nicht mehr, um Piraten zu fangen, wohl aber, um wirtschaftlichen und kulturellen Austausch unter den Mitgliedern – darunter Hildesheim und drei Städte im Landkreis – voranzutreiben und gemeinsam Anliegen gegenüber der EU zu vertreten.

Um das künftig noch besser zu können, will die Hanse künftig mit einer Ernsthaftigkeit auftreten wie seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr. Sichtbarster Ausdruck ist der Wunsch, einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu installieren. Bislang hat der Bürgermeister von Lübeck als „Vormann“ die Hanse ehrenamtlich geführt, zwei Beschäftigte aus seinem Rathaus arbeiteten ihm nebenbei zu.

Partner der EU

Doch das genügt nun nicht mehr, hat Bürgermeister Bernd Saxe in einem Schreiben an alle 190 Hansestädte in 16 Ländern erklärt: Die Hanse sei nicht mehr eine kleine, folkloristische Organisation, sondern, „ein großer Städteverbund, der von den europäischen Institutionen wahrgenommen und als Gesprächspartner gesucht wird.“ Das soll den Mitgliedsstädten etwas wert sein. 112 000 Euro per anno sollen zusammenkommen.

Das meiste davon aus Deutschland, das mit 102 die meisten Hansestädte stellt. Im Landkreis gehören neben Hildesheim auch Alfeld, Bockenem und Gronau dazu. Die Stadt Hildesheim freilich steht den Wünschen ablehnend gegenüber. Zwar gebe es historische Gründe für die Mitgliedschaft, auch diene diese dem Marketing. An der Finanzierung des Geschäftsführers will sich die Stadt aber nicht beteiligen und verweist auf die Finanzlage.

Gronau und Alfeld dabei

In Gronau wird dagegen heute Abend darüber abgestimmt, ob die Stadt 150 Euro jährlich beisteuern soll, eine ähnliche Größenordnung kann sich Alfeld vorstellen. Beide Städte schicken seit Jahren gemeinsame Delegationen zu den Hansetagen. Die Alfelder schwärmen vor allem vom Aspekt der Völkerverständigung, „der derzeit ja wieder an Bedeutung gewinnt, wenn man sich die Welt so anguckt“, wie eine Sprecherin sagt.

Im Bockenemer Rathaus bewerten die Verantwortlichen das Ganze zurückhaltender. Zwar sei man Gründungsmitglied der „neuen“ Hanse und habe diverse Hansetage veranstaltet. Von den internationalen Aktivitäten des Verbundes profitiere Bockenem allerdings kaum, auch sei der „Hanse-Gedanke“ in der Bevölkerung wenig verankert.

Auch aus anderen Städten gibt es bislang eher zurückhaltende Reaktionen. Die Professionalisierung der Hanse – sie kommt ebenso schwer in Gang wie eine Kogge bei Flaute.