Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Koch rastet aus: „Erschießt mich“!

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 13.06.2018.

Sarstedt - In einem Sarstedter Lokal hat ein Koch aggressiven Widerstand geleistet, als ihn Zoll-Beamte bei einer Betriebsprüfung nach seinen Personal-Daten fragten. Das Hauptzollamt Braunschweig kontrollierte bereits am 8. Juni in einer groß angelegten Aktion Gasstätten und Hotelbetriebe in Hildesheim und Region, Braunschweig und Göttingen, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Ziel war es, potenzielle Schwarzarbeit aufzudecken.

Schon als die Beamten das kleine Sarstedter Restaurant betraten, wurden sie von dem Koch lautstark dazu aufgefordert zu verschwinden, wie der Pressesprecher des Hauptzollamtes, Andreas Löhde, berichtet. Dabei wollten die Zoll-Beamten lediglich die Personalien der beiden Lokal-Mitarbeiter aufnehmen und ihre Arbeitszeiten und Einkünfte erfragen. „Die Kollegen teilten dem Koch mit, dass er verpflichtet ist, mitzuwirken“, sagt Löhde.

Der Koch ist nur schwer zu beschwichtigen

Nachdem sich die Beamten erstmal um den zweiten Mitarbeiter gekümmert hatten, damit sich der Koch ein wenig beruhigt, eskalierte die Situation: „Der Koch verweigerte es sogar, seinen Namen zu nennen“, sagt Löhde. „Die Kollegen drohten daraufhin, wenn er sich weiter weigert, die Polizei hinzuzuziehen, was er scheinbar akzeptierte.“ Allerdings begann er schon kurz darauf, laut und immer wieder „Erschießt mich!“ zu rufen, bis er in die Küche flüchtete, um sich dort zu verbarrikadieren.

„Einer der Kollegen blockierte die Tür mit seinem Stiefel, der Koch versuchte noch einige Male, sie zuzuziehen, scheiterte aber dabei“, sagt Löhde. Eine unbeteiligte Person, die sich im Restaurant befand, habe dann einige Zeit auf ihn eingeredet, woraufhin sich der Koch beruhigte und seine Personalien preisgab.

Kein Grund für Widerstand

Warum der Mann sich so hartnäckig weigerte, die Personalien anzugeben, ist unklar. „Bislang konnten wir noch gar kein Problem feststellen“, sagt Löhde: „Der Mann ist EU-Bürger und darf nach aktuellem Stand hier arbeiten, seine Reaktion ist ein Rätsel.“ Eine endgültige Überprüfung stehe aber noch aus. Ob der Koch in dem Lokal nur angestellt ist oder eine leitende Position innehat, wollte Löhde nicht verraten.

Bei der Kontrollaktion registrierte der Zoll insgesamt 181 Verdachtsfälle, davon könnte bei 105 der Mindestlohn unterschritten worden sein. Bei einigen Arbeitnehmern besteht zudem der Verdacht auf zu Unrecht bezogene Sozialleistungen. Insgesamt überprüften die Beamten in der Region Hildesheim 123 Mitarbeiter in 29 Betrieben.