Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Europa aus Schülersicht: farbig und nicht nur positiv

Veröffentlicht von Martina Prante am 06.12.2018.

Hildesheim - „Jeder weiß ja, was mit Europa gemeint ist“, sagt Minou Maßner. „Aber wenn man sich selber damit beschäftigt, dann macht man ganz andere Erfahrungen.“ Genau das ist Ziel der neuen Aktion, mit der der Freundeskreis Kulturhauptstadt Europa 2025 jetzt alle Schüler in Stadt und Landkreis ab der 8. Klasse ansprechen will: Sie sollen sich am Plakatwettbewerb „Das nenn’ ich Europa!“ beteiligen und damit eine eigene Einstellung zu Gemeinsamkeiten, aber auch Problemen gewinnen.

Zehntklässlerin Minou hat sich im Leistungskurs Kunst am Gymnasium Himmelsthür mit dem Thema Europa beschäftigt. Das Herz auf ihrem Plakatentwurf, von dem ganz viele bunte Fäden ausgehen, soll die Verschiedenartigkeit der Menschen in Europa, „die doch alle zusammengehören“, symbolisieren.

Was hat Europa mit mir zu tun?

Minou hat mit ihren Mitschülerinnen das Projekt Plakatwettbewerb sozusagen gestartet. Auf die künstlerische Schiene gesetzt hat die 16-Jährigen Rolf Behme, Kunstpädagoge am Gymnasium Himmelsthür und Landeskoordinator Kunst. In einer Doppelstunde hat er mit der „leistungsstarken Gruppe“ besprochen, was Jugendliche heute über Europa denken, welche Empfindungen sie zu der europäischen Idee haben, wo sie das Thema selber betrifft. Rolf Behme hat mit Kunstpädagogin Sabine Schreiner vom Andreanum, selber im Freundeskreis aktiv, die künstlerische Gesamtleitung des Projekts übernommen.

„Der Rahmen war zwar streng, aber das Thema völlig offen“, hat nicht nur Lunis Katholnigg die Hausaufgabe gefallen. Auf ihrem Plakat setzt sie Ausschnitte aus Zeitungsartikeln mit den sieben Todsünden gleich. Diesem „Sumpf“ entspringt – auf der Basis der europäischen Farben – eine Frau. „Vielleicht wird nicht ganz deutlich, was Du sagen willst“, meint Rolf Behme, lobt aber den kritischen Gedanken. Auch Nathalie Böken hebt negative Gemeinsamkeiten in Europa ub den Fokus: Bürokratie und Verbote, die sie mit einem Stoppschild auf dem Plakat „Verboten“ verdeutlicht.

Europa – positiv gesehen

Viele andere der Plakatentwürfe stehen positiv zu Europa: Luisa Prommer packt einen bunten Stapel von Büchern mit den Titeln der 28 Nationalhymnen der EU-Mitgliedsstaaten auf einen Stapel, Angelique Judt belegt ihre Pizza mit Zutaten aus verschiedenen europäischen Ländern. Andere Arbeiten erzählen, dass Tanzen zu jeder Kultur gehört und der Euro für die EU steht.

„Wir hatten das Gefühl, dass der Aspekt Europa in der Diskussion über die Kulturhauptstadt unterrepräsentiert ist“, formuliert Henrik Oehlmann, Dekan im Fachbereich Gestaltung der HAWK, für den Freundeskreis. Mit dem Plakatwettbewerb wolle man „ganz viele Stimmen aus Hildesheim sammeln“. Denn die Zukunft Europas in Sachen Frieden liege in den Händen junger Menschen. „Und es sieht schlecht aus in Europa“, verdeutlicht Hartmut Reichardt vom Freundeskreis. „Europa fällt einem nicht in den Schoß, da muss viel passieren, damit es 60 Jahr keinen Krieg gibt“, ergänzt auch Thomas Harling, Leiter des Hildesheimer Kulturhauptstadtbüros. Sabine Schreiner erzählt von weniger Schüler-Austauschprogrammen, weil in englischen und französischen Schulen keiner mehr Deutsch lernt: „Das ist supergefährlich, wenn man sich nicht mehr begegnet.“

Eingang ins Bid-Book

Thomas Harling lobt den Plakatwettbewerb für Schüler: „Er hat ein großes Beteiligungspotenzial, eine wichtige Zielgruppe und ein elementares Thema.“ Alles sei wichtig für das Bid-Book. Doch ob der Plakatwettbewerb Eingang in das Bewerbungsschreiben findet, hängt vom Ergebnis ab.

Mindestens 2025 Schüler sollen sich in Fächern wie Kunst, Politik, Deutsch und Geschichte beteiligen. Die Sozialagentur Cluster hat die Aufgabe übernommen, das Projekt zu organisieren und Schulen anzusprechen. Eine professionelle Jury wird aus den Plakatenbeiträgen die Gewinner ermitteln. So wird die Klasse, die einen Preisträger in ihrer Mitte hat, drei Tage nach Straßburg – Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen und deshalb gern die Hauptstadt Europas genannt – eingeladen. Auch die Schule mit den meisten Beteiligungen soll ausgezeichnet werden.

Die Schüler von Rolf Behme können, wenn sie wollen, ihre Plakate über die Weihnachtsferien perfektionieren. Danach bietet Behme eine zweite Runde an: „Wir gehen auf Serie, um einen Preis abzusahnen“, sagt er lachend.

Plakate für den Wettbewerb können im Projektbüro 2025 in der Bernwardstraße abgegeben werden. Abgabeschluss ist der 29. März 2019. Erlaubt sind alle Techniken, das Format ist auf A3 oder A2 beschränkt. Weitere Infos auf www.hi2025.de.