Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Falsche Polizisten fliegen auf – drei in U-Haft

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 11.09.2018.

Hameln/Kreis Hildesheim - In den vergangenen Monaten haben immer wieder vermeintliche Polizisten versucht, durch Anrufe bei Senioren Geld und Wertsachen zu ergaunern. Doch jetzt haben Polizei und Staatsanwaltschaft eine ganze Bande mutmaßlicher falscher Polizisten hochgehen lassen. Drei Männer aus Hameln sitzen in Untersuchungshaft, acht weitere Beschuldigte blieben zunächst auf freiem Fuß.

In den frühen Morgenstunden des Dienstags waren Polizisten vor mehreren Häusern und Wohnungen in Hameln, Bad Münder und Bremen aufgetaucht. Die Festnahmen und Razzien waren das Ergebnis „intensiver verdeckter Ermittlungen der Polizei Hameln und der Staatsanwaltschaft Hannover“, wie beide Behörden in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten. Die Beschuldigten standen seit dem Frühjahr im Fokus der Ermittler, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge auf HAZ-Nachfrage sagte.

Bald noch mehr Festnahmen?

Drei 22, 28 und 33 Jahre alte Männer, denen die Ermittler mindestens fünf Betrugstaten zuordnen und die in dem offenbar gut strukturierten Netzwerk auch zentrale Rollen einnahmen, wurden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Bei den acht anderen lagen laut Klinge zunächst keine ausreichenden Haftgründe vor. Das kann sich allerdings noch ändern – schließlich durchsuchten die Beamten zahlreiche Wohnungen in den drei Städten und hoffen, dort weiteres belastendes Material zu finden.

Nach dessen Auswertung könnte es auch Klarheit darüber geben, ob die Gruppe auch hinter einigen oder allen „Falsche Polizisten“-Fällen in Stadt und Landkreis Hildesheim steckt. Von der Vorgehensweise her, die Oberstaatsanwalt Thomas Klinge aus Hannover beschreibt, spricht aber vieles dafür, gerade im jüngsten Fall aus Elze in der vergangenen Woche, als Betrüger einer 74-Jährigen Geld und Schmuck im Gegenwert einer fünfstelligen Summe abluchsten.

Laut Klinge haben sich Gruppen wie die jetzt aufgeflogene bestens organisiert. Die Anrufer melden sich sicherheitshalber meist aus dem Ausland, im Fall der Hamelner Bande riefen sie aus der Türkei an – allerdings in perfektem Deutsch. Die Angerufenen waren zuvor von anderen Bandenmitgliedern ausgespäht worden – und schließlich gebe es noch die „Abholer“, die bereitgelegte Wertgegenstände schnell einsammeln und an Komplizen weitergeben.

Falsche Polizisten – zahlreiche Fälle in der Region

Erst Mitte vergangener Woche hatten falsche Polizisten eine 74-jährige Frau aus der Nähe von Elze um Bargeld und Schmuck im Gegenwert einer fünfstelligen Euro-Summe betrogen. Anrufer gaben sich als Beamte der Kripo Hameln aus und machten der Frau weis, man wolle an ihrem Haus eine rumänische Kriminellen-Bande auf frischer Tat ertappen. Zur Sicherheit solle sie ihre Wertsachen draußen deponieren. Das tat sie auch – und die Unbekannten verschwanden mit der Beute.

Gescheiterte Versuche gab es zuletzt unter anderem in Hildesheim, Sarstedt und Hohenhameln. In den meisten Fällen werden die Angerufenen rechtzeitig misstrauisch.

So auch im jüngsten Fall in Hildesheim: Am Sonntagabend hatte ein vermeintlicher „Herr Weber“ von der Polizei Hildesheim bei einer 79-Jährigen angerufen und sie überredet, eine fünfstellige Summe von ihrem Konto abzuheben, da das Geld auf der Bank nicht mehr sicher sei. Als sie das Geld am Montag abheben wollte, ahnte der Bank-Mitarbeiter allerdings einen Betrugsversuch und informierte die Polizei. Dadurch wurde eine drohende Geldübergabe verhindert.