Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Falsche Polizisten müssen ins Gefängnis

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 12.02.2018.

Hildesheim - Ihre Opfer waren zwischen 79 und 96 Jahre alt. Zwei Brüder gaben sich wiederholt als Polizisten aus und brachten die Rentnerinnen um ihr Erspartes. Montag verurteilte die neunte Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Rainer de Lippe die falschen Polizisten aus Lehrte zu mehrjährigen Haftstrafen. Der 28-Jährige muss laut Urteil vier Jahre und neun Monate, sein 34-jähriger Bruder fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Insgesamt sechs Betrugsfälle zwischen dem 15. Mai und dem 5. Juli 2017 wurden vor Gericht verhandelt – die Täter schlugen in Sarstedt, Hannover, Stöcken und Gifhorn zu. Eine 83-Jährige aus Sarstedt wurde um 9300 Euro betrogen.

Jedes Mal liefen die Taten ähnlich ab: Am Telefon wurde den Seniorinnen von unbekannten Anrufern vorgemacht, dass ihr Erspartes in Gefahr sei. Sie hoben Geld ab und versteckten es an einem ausgemachten Platz, zum Beispiel im Briefkasten. Hier holten die Verurteilten das Geld ab. Zum Hörer griffen sie nicht selber. Die Anrufe kamen aus dem Ausland – die Brüder wurden von den Anrufern als Geldboten engagiert. 1000 Euro sollten sie für jede Geldannahme bekommen. Das gab der jüngere Bruder in einem Teilgeständnis an.

„Ausgesprochen gemeine Masche“

Die Trickbetrüger kamen insgesamt an etwa 46.000 Euro. Sie überwiesen ihren Auftraggebern den Großteil der Beute. In Gifhorn schöpfte schließlich eine Bankangestellte Verdacht, als eine Seniorin 10.000 Euro abhob. Sie alarmierte die Polizei, die Täter wurden auf frischer Tat ertappt. Ihre Handys brachten die entscheidenden Beweise: Sie befanden sich zu den Tatzeiten in der Nähe der Häuser der Opfer.

Staatsanwältin Rabea Dencker sprach von einer „ausgesprochen gemeinen Masche“. Die Täter hätten das Vertrauen in Autoritäten ausgenutzt und ihre Opfer massiv eingeschüchtert. Einem Opfer sollen sie sogar mit dem Tod gedroht haben. Die Seniorinnen seien zudem nicht vermögend gewesen. Ihnen wurde das Geld abgenommen, das sie ihr Leben lang angespart hatten. Für die Opfer blieb es darüber hinaus nicht bei einem finanziellen Schaden. Sie leiden bis heute unter Schlafstörungen. Ein Opfer erlitt in Folge der Tat einen Nervenzusammenbruch.

Viele Vorstrafen

Eine Entschuldigung hätte zu einer Strafmilderung führen können, doch die Täter schwiegen gegenüber den Opfern. Auch bei der Verlesung der Plädoyers und der Urteilsverkündung zeigten sie Montag keine Reue, eher Langeweile. Der 34-Jährige kaute Kaugummi. Der 28-Jährige verschränkte die Arme über der Brust. Immer mal wieder huschte ein Lächeln über ihre sonst ausdruckslosen Gesichter.

Der 28-Jährige war zwar an fünf, sein Bruder an vier der Straftaten beteiligt. Dennoch wurde er zu einer geringeren Strafe verurteilt. Das unterschiedliche Strafmaß liegt unter anderem an dem langen Vorstrafenregister des 34-Jährigen. 17 Mal wurde er verurteilt, 10 Jahre hat er in Haft verbracht. Im März 2017 hat er seine letzte Strafe verbüßt. Keine drei Monate vergingen bis zur ersten Tat als falscher Polizist.