Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Freiräume: Protestcamp statt Ratskeller

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 14.05.2019.

Hildesheim - Die Stadt hat die Aktionswoche der Initiative Freiräume Hildesheim im Ratskeller kurzfristig untersagt – statt dessen hat die Gruppe, die im vorigen Jahr das „Bleistift“-Haus an der Kaiserstraße besetzt hatte, am Dienstagnachmittag ein Protestcamp auf dem Platz An der Lilie gestartet. Dort sollen bis einschließlich Freitag kulturelle und politische Veranstaltungen stattfinden, die ursprünglich für den Ratskeller geplant waren. Der darf gerade vier Monate lang für kulturelle Projekte genutzt werden.

Die Initiative sei von der Absage der Stadt überrascht worden, sagte ein Freiräume-Mitglied, die sich Emma Müller nannte, am Dienstag bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz. Die Mitglieder der Gruppe gaben im Kontakt zur Presse allerdings durchweg falsche Namen an. Dass bei der geplanten Aktionswoche keine politischen Veranstaltungen stattfinden dürften, sei der Gruppe nicht bekannt gewesen: „Es wurde auch nicht kommuniziert.“

„Für uns die logische Konsequenz“

Das stellt Helge Miethe, Pressesprecher der Stadt Hildesheim, anders dar: „Wir hatten im Vorfeld ganz klar abgesteckt, dass der Ratskeller nicht für solche Veranstaltungen genutzt werden soll.“ Die Stadt sei „hier qua Gesetz zur Neutralität verpflichtet“. Dass die Freiräume dennoch den Ratskeller für zwei Veranstaltungen des Antifaschistischen Netzwerks Hildesheim zur Verfügung stellen wollten, sei ein „Vertrauensmissbrauch“. Miethe: „Von daher war die Absage für uns die logische Konsequenz.“

Vertreterinnen der Freiräume erklären im Gegenzug, dass sie die beiden Antifa-Termine auch ganz aus dem Programm genommen hätten, um die Aktionswoche mit ihren zahlreichen Veranstaltungen vom Workshop in gewaltfreier Kommunikation bis zum Uni-Seminar zu retten. Die Stadt habe dazu jedoch keine Gelegenheit gegeben, sondern die Absage nur über das Theaterpädagogische Zentrum mitgeteilt. Das TPZ hat den Ratskeller zur Zeit für das Projekt „Raumstation“ gemietet und hatte ihn den Freiräumen in Absprache mit der Stadt für vier Tage zur Verfügung gestellt. „Man hätte ja weiterverhandeln können“, so Emma Müller.

Stadt wollte nicht weiter verhandeln

Das wollte die Stadt jedoch nicht. „Wer hätte garantieren können, dass der angekündigte Programmablauf nicht nur auf dem Papier Bestand hätte, und von uns unerwünschte Aktionen ohne vorherige Benennung stattgefunden hätten?“, fragt Helge Miethe. Zudem habe die Antifaschistische Gruppe Hildesheim auf Facebook weiterhin für die Infoveranstaltung und das „Aktionstraining“ im Ratskeller geworben.

„Für uns geht Kultur nicht ohne Politik“, hält eine Frau dagegen, die sich Lisa Schönfelder nennt. Ziel der Initiative sei es, einen Raum für solidarische Begegnungen zu schaffen und darüber hinaus „eine lebenswerte Stadt für alle“. An der Lilie haben die Freiräume Pavillons, Tauschstand, Sofa-Ecke und Fotoausstellung aufgebaut, die täglich von 6 bis 22 Uhr mit Aktivitäten bespielt werden sollen.

Kommentar: Selbst schuld

von Ralf Neite

Die Stadt lässt eine Gruppe in den Ratskeller, die im vorigen Sommer ein fremdes Gebäude besetzt und dort erhebliche Schäden angerichtet hat: ganz schön mutig! Dass die Zusage zurückgenommen wurde, haben sich die Freiräume selbst eingebrockt. Denn der Kommunikationsstil der Initiative ist schlecht – wie schon im letzten Sommer. Vereinbarungen werden nicht eingehalten und Namen erfunden, öffentliche Stellungnahmen klingen arrogant und selbstgerecht. Offenbar geht es nicht um einen konstruktiven Dialog, sondern darum, andere vorzuführen. Die Stadt hat zu Recht die Reißleine gezogen.