Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Funke geht Sanierung ohne Entlassungen an

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 14.05.2019.

Gronau - Der in die Krise geratene Plattenwärmetauscher-Hersteller Funke aus Gronau soll seine Sanierung ohne Personalabbau in Angriff nehmen. „Wir suchen im Gegenteil noch Leute, um offene Stellen zu besetzen“, sagte Interims-Geschäftsführer Rainer Busch am Mittwoch im Gespräch mit der HAZ.

Bedingung für die Sanierung ist allerdings, dass die Gesellschafter des Unternehmens, Sohn und Tochter von Gründer Karl-Hinz Funke, für einige Jahre auf ihre Eigentümerrechte verzichten. Im Klartext: Sie sollen sich raushalten, bis die Firma neu aufgestellt ist. Sonst würden die Kreditgeber, vor allem die Deutsche Bank und die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine, die Firma wohl nicht länger unterstützen.

„Ausgezeichnete Auftragslage“

Für Kündigungen sieht Busch jedenfalls keinen Anlass. „Sich nur an den Kosten zu orientieren, macht nur im äußersten Notfall Sinn, so kriegt man eine Firma selten gesund“, sagt Busch. Zumal Funke „nie eine schlechte, im Moment sogar eine ausgezeichnete Auftragslage“ und jede Menge zu tun habe.

Probleme gebe es eher mit Struktur und Führung. Die komplizierte Entscheidungsstruktur mit zwei Beiräten und den Testaments-Vollstreckern des Firmengründers sei „alles andere als optimal und wird keinen Bestand haben“, sagt Busch. „Die ständigen Geschäftsführerwechsel der jüngeren Vergangenheit hätten verhindert, dass sich eine echte Strategie und eine stabile Führung hätten bilden können.

Zurück n die Gewinnzone?

Zwar ist auch Busch, eigentlich Mitarbeiter des Hamburger Unternehmensberatung Nexpert, die auch das Sanierungsgutachten erstellt hat, nur ein Chef auf Zeit. „Aber wir werden jetzt in einem sehr sorgfältigen, strukturierten Prozess die Person suchen, die Funke langfristig führt“, kündigt er an. Ein Ergebnis sei erst im nächsten Jahr zu erwarten, die Zeit notwendig: „Diese Auswahl muss sitzen.“

Die Aufgabe der nächsten Jahre sei es, den Wandel des Unternehmens von einem patriarchalisch geführten Familienunternehmen hin zu einem modernen Management mit Verantwortung auf mehreren Schultern zu organisieren und dabei auch eine klare Strategie zu erarbeiten, mit welchen Produkten und auf welchen Märkten Funke künftig Geld verdienen solle. „Schon ein moderates Wachstum reicht aus, um wieder in die Gewinnzone zu kommen – ich denke, es ist sogar mehr möglich, als das Sanierungsgutachten vorgibt“, so Busch. Schließlich seien Wärmetauscher angesichts der Debatte um Klimaschutz und Energieeffizienz gerade derzeit weltweit gefragt.

Betriebsrat lobt Transparenz

In der Belegschaft komme Buschs Offenheit gut an, sagt der Betriebsrats-Vorsitzende Ergün Cankur: „Diese Transparenz ist neu für uns.“ Auch die Tatsache, dass sich zum Beispiel Gerüchte über die Schließung eines der drei Haupt-Produktbereiche als falsch herausgestellt hätten, schaffe Vertrauen.

Die Belegschaft mitzunehmen, ist für Busch von großer Bedeutung: „Es geht bei Funke vor allem um die Verbesserung, von Prozessen und Arbeitabläufen, da kommt es darauf an, wie jeder für seinen Arbeitsplatz Vorschläge macht und Veränderungen umsetzt.“ Zudem sollen ausländische Partner und Tochterfirmen wieder stärker in die Gesamtstrategie eingebunden werden.