Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Gefahr im Wald am Röderhof: Läufer müssen ausweichen

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 10.09.2019.

Röderhof / Kreis Hildesheim - Durch die anhaltende Trockenheit wird es in den Wäldern immer gefährlicher. Dicke Äste können jederzeit abbrechen und aus den Baumkronen auf den Boden krachen. Wenn dort gerade jemand spazieren geht, kann das schlimm ausgehen.

Die Gefahr des „Sommerbruchs“ durch den Hitzestress der Bäume hat nun erstmals Konsequenzen für eine Veranstaltung in der Region: Der Röderhof-Benefiz-Lauf am 21. September darf nicht durch den Wald führen. Die Veranstalter haben an einer Ersatzroute durch die Landschaft außerhalb des Waldes gefeilt und wollen am Mittwoch die abgestimmte Ausweichstrecke bekanntgeben. Das zuständige Forstamt Liebenburg hatte zuvor wegen des aktuellen Risikos abgelehnt, die mehreren hundert Teilnehmer durch den Wald laufen zu lassen.

Buchen besonders betroffen

Im Wald bei Söhre, zu dessen Füßen Röderhof liegt, kommt nach Angaben von Forstamtsleiter Detlef Tolzmann besonders Buchen flächendeckend vor. An mittelalten bis alten Exemplaren beobachten seine Kollegen überall im Revier, dass Kronenbereiche oder gleich komplette Bäume absterben. „Daher können wir Großveranstaltungen bis auf Weiteres in unseren betroffenen Wäldern nicht zulassen“, sagt der Forstamtsleiter.

Da die Gefahr zurzeit großflächig lauert, kann das Forstamt seine Verkehrssicherungspflicht im Wald laut Tolzmann nur eingeschränkt erfüllen. Wenn das Amt zum Beispiel der Anfrage der Heimstatt Röderhof als Lauf-Veranstalter zustimme, bedeute das: „Dann müssten wir unzählige Buchen entlang der Wege fällen, die aus Sicht der Verkehrssicherung zumindest fragwürdig sind“, erläutert Tolzmann. Natürlich werde das Forstamt nach und nach dafür sorgen, dass alle Wege wieder mehr oder weniger gefahrfrei zu begehen und zu belaufen sind. „Das wird allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Das sei der Grund für die Empfehlung, Veranstaltungen wie den Benefizlauf in die freie Landschaft zu verlegen. Ein generelles Waldverbot für einzelne Spaziergänger wird noch nicht erwogen, zumindest sollen aber größere Menschenansammlungen unter den Bäumen vermieden werden.

Die unter Hitzestress leidenden Buchenwälder sind längst nicht die einzigen Problemzonen, in denen sich Folgen der Trockenheit zeigen. Großflächig sterben wie berichtet besonders die Fichtenwälder ab, die zurzeit stark von Borkenkäfern befallen werden. Buchen galten bisher eher als robust, im zweiten Dürresommer hintereinander haben sie Hitze und Wassermangel allerdings auch nicht mehr genug entgegenzusetzen.

Schwerin: 29 durch Ast verletzt

Was passieren kann, wenn ein großer Ast plötzlich abbricht und Menschen in der Nähe sind, zeigte sich Ende Juli bei einem Open-Air-Konzert an der Freilichtbühne in Schwerin. Dort stürzte ein 18 Meter langes Stück einer Baumkrone auf einen Bierwagen. Dadurch wurden 29 umstehende Konzertgäste verletzt, sechs von ihnen schwer. Auch in anderen Regionen wurden wegen der Gefahr in den trockenen Wäldern schon Veranstaltungen abgesagt, kürzlich zum Beispiel eine Wallfahrt im nordrhein-westfälischen Kreis Viersen. Bei Herten ist sogar ein ganzer Wald gesperrt.

Experten warnen, dem deutschen Wald gehe es so schlecht wie nie zuvor: Etwa 110 000 Hektar Wald seien zerstört. Um Ersatz zu schaffen, müssten 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden. Inmitten älterer Bäume ist erst einmal Vorsicht angesagt.