Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Grippe, Glätte – Krankenhäuser überfüllt

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 13.02.2018.

Hildesheim - Wasser in der Lunge! Eine Diagnose, mit der die 86-jährige Frau aus der Gemeinde Giesen am Montagabend in die Notaufnahme des Hildesheimer St.-Bernward-Krankenhauses (BK) gebracht wurde. Sie kam in eine bereits völlig überfüllte Einrichtung. „Die Patienten standen teilweise auf den Gängen“, schildert es ihre Tochter. Nach vier Stunden sei ihre Mutter schließlich nach Salzgitter verlegt worden. „Was ist bloß im Landkreis Hildesheim los?“, hadert die Tochter, die gestern erneut zu ihrer Mutter nach Salzgitter fuhr.

Was derzeit in den Krankenhäusern in Stadt und Landkreis los ist, ist für viele Patienten und ihre Angehörigen erst einmal schockierend, für die Kliniken inzwischen traurige Routine. „Ich kann den Ärger der Dame absolut nachvollziehen“, sagt Dr. Michael Hillebrand, Chef der Notaufnahme im BK. „Im Moment sind die Krankenhäuser tatsächlich überfüllt, Stationen und Notaufnahmen völlig ausgelastet.“ Bei Helios, in Gronau und in Alfeld sehe es kaum anders aus.

Manche Kliniken müssen sich „schlicht abmelden“

Gerade im Winter komme es immer wieder zu solchen Situationen, sagt Hillebrand. „Und wenn wie jetzt eine Grippewelle, ein Magen-Darm-Virus und noch dazu Unfälle durch die Glätte hinzukommen, wird es richtig eng. Da müssen sich manche Kliniken schlicht abmelden.“ Dabei spiele ein seit Jahren beklagtes Problem der Notaufnahmen, es kämen zu viele Patienten, die eignetlich keine Notfälle seien, derzeit gar keine so große Rolle. Allerdings seien auch die Wartezimmer der niedergelassenen Ärzte überfüllt. „Wenn die Kollegen es nicht schaffen, alle Patienten zu behandeln, schreiben sie eben Einweisungen ins Krankenhaus – und das kann man ihnen noch nicht einmal verübeln“, sagt Hillebrand.

Er glaube allerdings, dass die Lage in Hildesheim immer noch besser sei als in anderen Städten: „Wir haben hier zwei große Krankenhäuser, die alle medizinischen Disziplinen auf hohem Niveau abdecken, in kürzester Entfernung voneinander.“ Doch wenn die voll sind, bleibt nur der Weg in ein weiter entferntes Haus. „Wir telefonieren teilweise zwölf oder 13 Häuser ab, um Platz für Patienten zu finden“, berichtet Hillebrand. Und das, obwohl das BK schon versuche, geplante Krankenhaus-Aufenthalte zu verschieben, um Platz für Fälle aus der Notaufnahme zu schaffen.

Sind mehr Hausbesuche die Lösung?

Hinzu kommt: Wer in ein anderes Krankenhaus verlegt werden soll, muss unter Umständen noch einmal Stunden warten – weil die Rettungswagen in der Region an manchen Tagen völlig ausgelastet sind und vor lauter Notfällen gar nicht dazu kommen, auch Menschen wieder vom Krankenhaus wegzubringen.

Also alles nicht zu ändern? So negativ will Hillebrand das nicht sehen. Im Lauf des Jahres seien Gespräche mit Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung geplant. Das Ziel: Mehr Patienten sollen von Ärzten zu Hause besucht und nicht in die Notaufnahmen gebracht werden. 45 Prozent werden schließlich wieder nach Hause entlassen“, weiß der Chefarzt.

Zudem plant das BK wie berichtet, parallel zum Neubau des Eltern-Kind-Zentrum sind einigen Jahren auch die Notaufnahme zu erweitern. Eine Garantie gegen überfüllte Notaufnahmen und Krankenhäuser ist das aber alles nicht: „Die Gesellschaft wird älter und damit tendenziell die Zahl der Erkrankungen und Verletzungen“, sagt Hillebrand.