Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Grizzlys: Ohne ihn wäre der Manager schon mehrfach zurückgetreten

Veröffentlicht von Andreas Kreth am 14.05.2019.

Giesen - Für ihn und ein paar Mitstreiter beginnt ein Heimspiel der Helios Grizzlys Giesen schon am Vorabend. Tags darauf ist er noch mal acht Stunden in der Halle, hat im Foyer für jeden Besucher ein Lächeln und einen kleinen Spruch auf den Lippen. Und nach dem Spiel der Bundesliga-Volleyballer ist er noch lange beim Abbau des extra verlegten Bodens dabei: Konrad Nave (71), seit 2003 Vorsitzender des TSV Giesen. Doch damit nicht genug. „Konrad leistet so viel im Hintergrund, ist seit kurzem mein Prokurist in der GmbH und mein väterlicher Gegenpart“, sagt Manager Sascha Kucera (40). „Hätte ich den nicht an meiner Seite, wäre ich wahrscheinlich schon mehrfach zurückgetreten.“

„Wenn er das sagt, freut mich das“, sagt Konrad Nave am Dienstag in seinem Haus in Giesen. Aber er sei nicht allein, es gebe so viele Helfer. Er listet Namen wie José Ferrero, Carlos Wengert und Stefan Rössig auf. Dabei schweift sein Blick über den gepflegten Garten mit großen Ahornbäumen. Eigentlich will er keinen Rummel um seine Person. Er ist im Ehrenamt, weil er Spaß daran hat. Nicht, um sich zu profilieren. Vor dem Besuch der HAZ hat er morgens schnell noch einen neuen Router für das TSV-Klubhaus gekauft und dort eingebaut. Der Chef des 1200-Mitglieder-Vereins sieht sich als Einer unter Gleichen, drängelt sich nicht in den Vordergrund.

Er spielte Fußball

„Ich habe immer etwas verkauft, Leute geführt. So war ich gezwungen, mich zu beherrschen und ausgleichend zu wirken“, sagt der Diplom-Betriebswirt, der 2009 als Prokurist der Deutschen Renault AG in den Ruhestand gegangen ist. „Sonst könnte ich mein Amt so nicht ausführen“, spricht er die 20 bis 30 Stunden an, die er jede Woche für den TSV aktiv ist. Zu Unrecht werde ihm nachgesagt, er sei der Volleyballer. „Ich engagiere mich genauso für die anderen Abteilungen.“ Er selber spielte einst Fußball.

Dennoch war Volleyball sein Einstieg in die Vereinsarbeit. Tochter Katharina (heute 32) hatte als Neunjährige damit begonnen. Eines Tages kam sie nach Hause und sagte: „Papa, wir brauchen neue Trikots. Ich habe gesagt, das machst du.“ Konrad Nave besorgte über Sponsoren 50 Sätze und wurde Koordinator für die Sportförderung in der Abteilung. „Dann nahm das einfach seinen Lauf.“ Mit dem Aufstieg der Volleyballer in die 2. Liga holte er 2001 die Firma Renault als Hauptsponsoren ins Boot. Bis heute unterstützt er Manager Kucera bei Sponsorengesprächen sowie bei der Gewinnung und Betreuung der Gönner. „Sascha und ich verstehen uns super. Es gibt kaum Momente, in denen wir nicht übereinstimmen“, sagt der TSV-Vorsitzende. „Sponsoren müssen das Gefühl haben, zu Hause zu sein. Wie in einer Familie.“

Die eigene Familie sah er jahrzehntelang nur am Wochenende, pendelte nach Bremen, Köln, Berlin oder Hamburg. Konrad Nave und seine Petra, mit der er „schon 40 sehr glückliche Jahre“ verheiratet ist, wohnen in seinem Elternhaus. Eine ehemalige Bäckerei, die sie momentan umbauen. Von seinen Eltern habe er gelernt, zu allen Leuten freundlich zu sein. „Sie sollten ja bei uns einkaufen.“ Ihn selber interessierte das Handwerk aber weniger als der kaufmännische Bereich.

Das hasst er

Tochter Katharina sei mit zwölf weniger diplomatisch gewesen. Völlig unvermittelt hätte sie ihrem Vater mal beim Frühstück im Urlaub etwas an den Kopf geknallt, das ihn offenbar heute noch ärgert. Papa, wenn du mal Rentner wirst, musst du dich zuhause ändern und dich nach Mama und mir richten, habe sie gesagt. Dabei weiß er doch ganz genau, wie wichtig seine Petra (61) für ihn ist. Übrigens auch in der Vereinsarbeit. Sie ist Schriftführerin und Buchhalterin im TSV. „Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich.“

Konrad Nave hasst es, wenn Dinge hinter dem Rücken laufen. Ihm sei wichtig, offen miteinander umzugehen. Insbesondere zum Manager Kucera habe er einen guten Draht. In der Kantine des Helios Klinikums schmiedeten die beiden 2016 die Vision 2020, wonach bis dahin der Aufstieg in die 1. Liga geschafft werden sollte. „Ich war so aufgeregt, dass ich meine Kaffeetasse umgekippt habe“, sagt der 71-Jährige, der gerne Krimis liest. Es spricht für ihr Konzept, dass die Vision 2020 schon 2018 umgesetzt wurde. Aus der Parteipolitik hält sich Nave raus, engagiert sich aber in der Gemeinschaftsinitiative Pro Schacht Siegfried-Giesen. „Weil ich das als absolutes Zukunftsprojekt für die Region sehe.“

„Sascha ist ein Konrad Nave in jung“

Der Etat der Grizzlys für die kommende Saison werde wieder rund 450 000 Euro betragen. Noch wird am Kader gebastelt. Konrad Nave verspricht jedoch: „Unser Ziel sind die Playoffs – und das schaffen wir.“ Gemeinsam mit Manager Kucera, über den Petra Nave sagt: „Sascha ist ein Konrad Nave in jung.“