Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Groß Düngen weitet Forderung nach Tempo 30 aus

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 06.12.2017.

Groß Düngen - Das niedersächsische Tempo 30-Projekt könnte für Groß Düngen tatsächlich zu einer neuen Chance werden – hätte aber auch Auswirkungen auf tausende Pendler im Südkreis. Wie berichtet, ruft das Land zurzeit Städte und Kommunen dazu auf, Abschnitte von Hauptverkehrsstraßen vorzuschlagen, auf denen für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden soll. Mindestens sechs Straßen sollen landesweit für das Projekt ausgewählt werden. Die Groß Düngener kämpfen schon seit Jahren dafür, dieses Tempolimit im Bereich von Grundschule und Kindergarten durchzusetzen.

So war es auch keine Überraschung, dass der Ortsrat am Dienstagabend einstimmig für eine Teilnahme an dem vom niedersächsischen Verkehrsministerium geplanten Modellversuch votiert hat. Wenn es nach den Kommunalpolitikern geht, soll die Geschwindigkeit aber nicht nur in dem Bereich der Bundesstraße 243 auf Höhe der Schule reduziert werden. Der Ortsrat will den Verkehr auf der Heinder Straße und auf der B 243 (siehe Karte) abbremsen.

Über 20 000 Fahrzeuge am Tag

Als Gründe wurden im Hinblick auf die Vorgaben, die das Land für eine mögliche Teilnahme an dem Projekt vorschreibt, die enge Bebauung und die teilweise sehr schmalen Fußwege von einem Meter angeführt. Die langen Schließzeiten am Bahnübergang und die Ampel würden oftmals den Verkehr zum Stocken bringen. „Auch die Zahl der geforderten 5000 Fahrzeuge am Tag werden hier locker um einiges überschritten“, erklärte Ortsbürgermeister Marc Busche. In der Hildesheimer Straße seien das ohne weiteres 20 000 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden, in der Heinder Straße kämen mindestens 9000 Autos zusammen. Entsprechend hoch sei auch der Anteil des Schwerlastverkehrs, nicht zuletzt durch die Zufahrt zur Autobahn über die Raststätte Hildesheimer Börde.

Eine weitere Voraussetzung zur Aufnahme in den Modellversuch sind Knotenpunkte entlang der Strecke. Auch da sieht der Ortsrat die Forderung des Ministeriums als erfüllt an. Neuralgische Punkte sind für die Vertreter des Ortes die an der Hildesheimer Straße gelegene Schule, die Abfahrt nach Klein Düngen, der Abzweig von der Hildesheimer auf die Heinder Straße und auch der Bahnübergang. Auch die geforderte durchgehende Randbebauung sei in Groß Düngen gegeben.

„Durch die Temporeduzierung wird die Sicherheit der Bürger erhöht. Außerdem könnten die Belastungen mit Kohlendioxid und Lärm reduziert werden. Auch das sind ja zentrale Anliegen in dem Modellprojekt“, ergänzte der Ortsbürgermeister.

Ortsrat bleibt am Ball

Der Ortsrat bittet den Stadtrat, die beiden Straßen in Groß Düngen in das Interessenbekundungsverfahren aufzunehmen. „Ich stehe dem Modellprojekt gerade auch in Hinblick auf die ablehnende Haltung der Verkehrskommission, die Geschwindigkeit an der Schule zu reduzieren, positiv gegenüber. Die Groß Düngener arbeiten weiter an diesem Thema und stecken den Kopf keinesfalls in den Sand“, meinte der stellvertretende Ortsbürgermeister Klaus Germer.

Interessierte Städte und Gemeinden können sich noch bis Ende Januar bewerben. Die Stadt Bad Salzdetfurth sammelt derzeit Vorschläge aus allen interessierten Ortsteilen, um sie dann an den Landkreis weiterzugeben. Voraussichtlicher Projektstart wäre Herbst 2018.

Die Untersuchung wird von einem unabhängigen Gutachterbüro durchgeführt. Nach Bewerbungsschluss wird der Runde Tisch „Modellprojekt Tempo 30“ eine Vorauswahl der teilnehmenden Kommunen vornehmen. Die endgültige Entscheidung trifft das Gutachterbüro.

Auch Hannover will dabei sein

Auch in Hannover bereiten Politik und Verwaltung einen Antrag für das niedersächsische Modellprojekt vor. Mit Marien-, Göttinger- und Friedrich-Ebert-Straße wurden drei stark befahrene Straßen in der Innenstadt ausgewählt.

Anlass für den Vorstoß ist die Luftverschmutzung in Hannover, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb. Seit Jahren hält die Stadt die von der EU festgesetzten Grenzwerte beim Stickstoffdioxid nicht ein. Jetzt wächst der Druck. Die Deutsche Umwelthilfe ersucht, Hannover auf dem Klageweg dazu zu zwingen, mehr gegen die Luftverschmutzung zu unternehmen und nicht vor Fahrverboten für Dieselwagen zurückzuschrecken.  Die Stadt verspricht sich von dem Test aber auch einen Fingerzeig für andere Straßen. „Darauf aufbauend soll die Übertragbarkeit der Erkenntnisse geprüft werden und Empfehlungen für zukünftige Tempo 30 Anordnungen abgeleitet werden“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.