Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hans-Heinrich Scholz: eine Chronik für die alte Liebe

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 20.04.2019.

Sehlde - Fast sein ganzes Berufsleben hat der langjährige Erste Kreisrat Hans-Heinrich Scholz im Kreishaus in Hildesheim verbracht. Seit 1979 wohnt er auch in der Stadt. Seinem Heimatverein, dem SSV Sehlde in der Samtgemeinde Baddeckenstedt, hält er aber bis heute die Treue. Und als er gefragt wurde, ob er nicht eine Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins schreiben könne, war dies für Scholz fast eine Selbstverständlichkeit. Nun ist das Werk vollbracht, der Verkauf startet in Kürze.

„Der Vorstand hatte mich angesprochen, weil ich schon 1989 eine große Dorfchronik für Sehlde herausgebracht hatte“, erklärt der 72-Jährige. Die Festschrift für den SSV habe er allerdings nicht nur aus alter Verbundenheit zum Verein, sondern auch aus Eigeninteresse verfasst. „Schließlich bin ich nun schon 50 Jahre Mitglied und habe auch schon vorher als Kind auf dem Sportplatz gestanden.“

Nicht allein gemacht

Besonders wichtig ist Scholz aber der Hinweis, dass er keinesfalls der alleinige „Macher“ des 72-seitigen Buches ist. So sei Bernd Hoffmann, langjähriger Geschäftsführer und Kassenwart des Vereins, für die Gestaltung und das Layout zuständig gewesen. „Und der hat auch die insgesamt 93 Fotos, die wir zusammen ausgewählt haben, eingescannt“, so der Ex-Kreisrat. Geschrieben hat er allerdings selbst.

Scholz ist in Sehlde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sein Abitur machte er an der Friedrich-List-Schule in Hildesheim. Nach der Bundeswehrzeit absolvierte er sein Jurastudium in Göttingen. Mit zwölf Jahren schnürte Scholz erstmals die Fußballschuhe für den SSV. „Ich habe immer in der Abwehr oder im Mittelfeld gespielt“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: „Trotz meiner überragenden Fähigkeiten ist leider nie ein Bundesligist auf mich aufmerksam geworden.“

Ende der 70er Jahre versuchte sich Scholz auch im Tischtennis. „Wir hatten gerade eine Mannschaft gegründet und wurden auf Anhieb Tabellenletzter“, berichtet er selbstironisch. Als er dann jedoch seinen Job bei der nordrhein-westfälischen Landesverwaltung in Köln antrat, sei die Mannschaft ohne ihn sofort aufgestiegen.

Ehrenmitglied seit 2018

1979, ein Jahr nachdem er seine Ehefrau Brigitte geheiratet hatte, trat Scholz die Stelle als Justiziar beim Landkreis Hildesheim an. „Mein Vater war gerade gestorben und meine Mutter brauchte Unterstützung.“ Später wurde Scholz Baudezernent, 1998 stieg er zum Ersten Kreisrat auf.

Die ganze Zeit über blieb er jedoch seinem SSV in Sehlde treu. 1998 erhielt er die Goldene Ehrennadel des Vereins, seit einem Jahr ist er Ehrenmitglied. Sein letztes Fußballspiel für den SSV bestritt er im Jahre 1994 in einer Oldie-Mannschaft zum 75. Bestehen des Klubs.

An der Festschrift habe er zusammen mit Hoffmann insgesamt vier Monate lang gearbeitet. „Es hat großen Spaß gemacht“, so Scholz. Das Buch schildert die Höhen und die Tiefen der 100-jährigen Geschichte eines dörflichen Sportvereins und spiegelt auch den jeweiligen Zeitgeist wider. Keimzelle des SSV war der Fußball. „Schon ab den 20er Jahren wurde bei uns aber auch geturnt und ein wenig Leichtathletik betrieben“, berichtet Scholz. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei dann Tischtennis hinzugekommen. „Und wir hatten eine Damen-Handballmannschaft, die 1949 sogar Kreismeister wurde“, ergänzt er. Mit der Einweihung der Sporthalle im Jahre 1974 sei das Angebot dann noch mit Damengymnastik und Kinderturnen erweitert worden.

Verein springt in die Moderne

Heute zählt der Verein, der am ersten Juni-Wochenende seinen 100. Geburtstag feiert, rund 270 Mitglieder. Das Angebot umfasst mittlerweile auch Hip-Hop und Jazzdance, Mutter-Kind-Turnen und Power-Cross-Training.

Der Verkaufsbeginn und die Verkaufsstellen der Festschrift werden kurzfristig bekanntgegeben. Eines freut Scholz ganz besonders. „Die Überschüsse der Verkaufserlöse sollen der Jugendarbeit des SSV zugutekommen!“