Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Harter Staatsmann ganz weich

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 07.09.2018.

Gödringen - Im Hinterhof von Carsten Eichlers Haus geht man eine kleine Treppe hinauf in ein umgebautes Atelier. Dort auf dem Tisch sitzt er – Donald Trump – so weich, wie die Trump-Gegner sonst nur das Innere seines Kopfes vermuten. Er ist aus Knete, hat aber nichts von seinem Wiedererkennungswert eingebüßt – im Gegenteil. „Zugegeben, er ist auch in der Realität schon eine Karikatur von sich selber“, sagt Künstler Eichler lachend. Er hat ihn erschaffen.

Rockstars und Kinderbücher

Schon Anfang des Jahres machte eine Kreation von ihm im Internet die Runde (die HAZ berichtete). Knet-Rockstar Dave Grohl von den Foo Fighters grinste in die Kamera, während er eine detailgetreue Mini-Gitarre in seinen Händen hält. „Mich haben Leute aus der ganzen Welt angeschrieben“, berichtet Eichler. „Sie wollten die Figur kaufen.“ Doch der Aufwand, den er in die Kleinarbeit steckte, sei kaum bezahlbar gewesen.

Blut geleckt hat er trotzdem. In seinem Atelierstudio standen schon ganze Miniatur-Landschaften – für sein Kinderbuch „Greta, Lotti & Bauer Hansen“. Bild für Bild stellte er die Charaktere und ihre Umwelt neu auf, machte ein Foto, und begann von vorne.

Trump-Figur als Hommage

Nun sitzt dort Klein-Trump an einem Mini-Tisch. Schiefe Krawatte und Haartolle inklusive. Ein politisches Statement? „Schon, über den Kerl kann ich mich einfach nur aufregen“, sagt Eichler. Deshalb hat der Trump aus Knete auch eine Gabel in der Hand und drei Löcher in der Wange – eine Hommage an den früheren Stern-Karikaturisten Gerhard Haderer. Die dargestellte Person sei buchstäblich „zu blöd zum Essen“.

Über Jahre hat sich der gelernte Drucker und studierte Grafikdesigner unter anderem bei Werbeagenturen versucht, so richtig geklappt hat es nie. „Einmal war es extrem: Es wurde alles vorgegeben, für Kreativität war praktisch kein Platz mehr“, sagt der 44-Jährige. Er zog einen Strich, arbeitet heute halbtags im Baumarkt und nimmt kleinere Grafikdesignaufträge an.

Sind Promis nur der Anfang?

Wenn alles klappt, schlägt er bald aber erneut eine künstlerische Richtung ein, Ideen hat er genug. „Ich werde versuchen, Privatpersonen als karikierte Knetversionen abzubilden“, sagt Eichler. Kunden könnten dann mehrere Fotos einschicken, woraus er die kleinen Abbilder modelliert.

Ein weiterer Plan ist das Auffrischen alter Gemälde, gerade die Werke des amerikanischen Malers Edward Hopper haben es ihm angetan. Mit Hilfe seiner Figuren und Requisiten möchte er die Bilder dreidimensional nachbauen und ihnen so eine moderne Interpretation zukommen lassen.

Bis dahin ist es aber noch ein steiniger Weg. Eichler: „Man muss sich abheben, bekannter werden, bevor so etwas beginnen kann.“ Daher nutzt er momentan die sozialen Netzwerke für Mundpropaganda, um seine kleinen Schöpfungen der Öffentlichkeit zu zeigen. Dem amerikanischen Präsidenten ging ein bekannter deutscher Fernseh-Koch voraus: Tim Mälzer. Mitsamt Kochutensilien und kleinem Herd blickt der Knet-Koch konzentriert auf einen belegten Burger.