Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Helfried Basse ist tot

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 14.04.2019.

Kreis Hildesheim - Bei der Kreistagssitzung am vergangenen Donnerstag war er noch hoffnungsvoll, berichtete mit einer Mischung aus Stolz und Erleichterung, es gehe ihm wieder richtig gut. Am Sonnabend ist Helfried Basse nach schwerer Krankheit zu Hause in Nettlingen gestorben. Landrat Olaf Levonen reagierte geschockt und bezeichnete Basse als „Freund, auf den ich mich immer verlassen konnte“. Die Kreisverwaltung verliere „einen ihrer engagiertesten Mitarbeiter.

Tatsächlich war Basse umtriebig wie kaum ein anderer Beamter des Kreises, den lange Sitzungen und spätabendliche Veranstaltungen kaum je die Laune verderben konnten. In schwierigen Situationen lief er erst richtig zur Hochform auf, etwa beim großen Hochwasser 2017. Von nächtlichen Krisentelefonaten mit dem Innenministerium berichtete er dann stolz, der einhergehende Schlafmangel schien ihn nicht zu stören.

Stets gut vorbereitet

Nicht alle Bürgermeister waren im Zuge der Überschwemmungen gut auf Basse zu sprechen. Doch der 64-Jährige, der gern und oft auch anderen Menschen das Du anbot, konnte nicht nur kumpelhaft sein – er hatte auch ein breites Kreuz, wenn er Kritik ausgesetzt war. Das konnte er auch brauchen, immer wieder schickten ihn im Lauf seiner Karriere Vorgesetzte vor, wenn es brenzlig wurde. Loyal stellte sich Basse dann wütenden Bürgern, entschärfte manchen Konflikt durch seine unaufgeregte Herangehensweise: „Ich komme bei Ihnen vorbei, dann setzen wir uns mal zusammen und reden in Ruhe“, war eine häufig gehörte Formulierung.

Ebenso wie der Satz: „Das wird verwaltungsseitig alles sauber abgearbeitet.“ Denn Basse konnte nicht nur Kumpel, er kannte auch seine Paragrafen und Protokolle. Dass er stets gut vorbereitet in Sitzungen kam, erleichterte ihm den Umgang mit Bürgern und Kommunalpolitikern ebenfalls. Immer wieder konnten Beobachter nur staunen, wie einst scharfe Basse-Kritiker irgendwann zu seinen Duzfreunden wurden.

Konflikte hinter den Kulissen entschärft

So war der Nettlinger ein Netzwerker, lange bevor das Wort erfunden wurde. Und versuchte oft, Konflikte hinter den Kulissen zu entschärfen – mit Hilfe von Freunden und Bekannten in anderen Behörden. Während des Kali-Streits zwischen Kreistagsmehrheit und Umweltministerium entwickelte er eine regelrechte Pendeldiplomatie. Dass diese am Ende ohne Erfolg blieb, sah er durchaus selbstkritisch.

Sein nächstes und letztes großes Projekt war der Hochwasserschutz-Verbund mit Goslar und Salzgitter. Den hatte er nach den Überschwemmungen sofort initiiert, viel Lob und viel Fördergeld vom Land dazu eingeheimst. Die Umsetzung sollte die Krönung seines Berufslebens werden – wurde er doch ohnehin schon mitunter schmunzelnd als „Deichgraf“ bezeichnet, weil er sich so oft auf solchen Schutzwällen fotografieren ließ.

Der Landkreis hat „einen hervorragenden Umwelt-Fachmann und einen echten Macher“, verloren, sagte Landrat Levonen am Sonntag. „Ein Nein oder ein ,Geht nicht‘ kannte er nicht.“ Ein „Ohne Basse“ kennen die meisten Kreispolitiker und Verwaltungsmitarbeiter nach rund 45 Jahren dort auch nicht. Er wird fehlen.