Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hildesheimer blockieren Brücke in Berlin

Veröffentlicht von Christian Wolters am 09.10.2019.

Hildesheim/Berlin - In Berlin gehen die Klimaproteste und der Gruppe Extinction Rebellion („Rebellion gegen das Aussterben“) in den dritten Tag. Nach wie vor sind etwa 15 bis 20 Hildesheimer mit von der Partie. Darunter auch Schüler wie der 18-jährige Carlo Nogueira vom Andreanum und der Sprecher des Hildesheimer Stadtschülerrats, Maxim Unruh.

Die beiden sind seit Mittwochmorgen auf der Marschallbrücke, die durch Sitzblockaden der Demonstranten besetzt ist. „Der Protest hat kein Ende“, sagt Nogueira gegenüber der Redaktion. Er will noch bis zum Ende der Woche mitdemonstrieren. In seiner Bezugsgruppe sind vor allen Dingen junge Menschen am Start, alle etwa 20 Jahre alt. „Die meisten bekommen Anrufe von ihren Eltern, die besorgt fragen, ob die Kinder verhaftet werden und ins Gewahrsam kommen“, berichtet er. „Meine Mutter hat mir nur geraten, auf mich aufzupassen, und ich würde auch im Gewahrsam sicherlich interessante Gesprächspartner finden“, sagt Nogueira gelassen.

Kein böses Wort gegen Polizei

Die Stimmung sei nach wie vor durchaus positiv, auch Passanten äußerten Verständnis. Bisher falle nach wie vor kein böses Wort der Polizei gegenüber, auch wenn die Beamten die durchweg unvermummten Demonstranten wegtragen und ihre Personalien aufnehmen. Sowohl Nogueira als auch Unruh haben mitbekommen, dass die Protestaktionen von Extinction Rebellion durchaus kontrovers diskutiert werden – und das nicht nur in Sozialen Medien, der Boulevardpresse und seitens zahlreicher Politiker. Den Vorwurf, ihr Protest würde die Demokratie gefährden, weisen beide jedoch entschieden zurück. Nicht nur, dass alle Aktionen in Berlin basisdemokratisch entschieden werden. Zudem sei ziviler Ungehorsam ein Mittel der politischen Teilhabe, findet Nogueira. Und der Stadtschülerratssprecher Unruh ergänzt: „Gerade durch das Nichthandeln der Politik in Sachen Klimaschutz werden wir in unseren natürlichen Rechten beschädigt.“ Dagegen sei friedlicher, ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel.

Auch aus der Bevölkerung in Berlin, so haben es die beiden beobachtet, gebe es Zuspruch. „Wir werden hier auch mit Essen versorgt und mit Kleidungsstücken gegen die Kälte.“