Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hildesheimer Feuerwehr informiert live über Einsätze

Veröffentlicht von Manuel Lauterborn am 11.02.2019.

Hildesheim/Berlin - Ein Notruf geht ein, die Feuerwehr rückt aus – und ein Tweet geht online. Bundesweit haben Feuerwehren am Montag ab 8 Uhr über ihre Einsätze informiert. 41 Berufsfeuerwehren beteiligten sich an der Aktion „Twittergewitter“ im Netz. Unter ihnen auch die Berufsfeuerwehr Hildesheim.

Einsatzleiter Patrick Grieger legt am Montag eine Sonderschicht ein: Er ist Twitter-Beauftragter und bespielt die Kurznachrichtenplattform mit Einblicken in den Alltag der Einsatzkräfte aus Hildesheim. Zwölf Stunden lang wollen die Retter bundesweit auf diesem Wege öffentlich machen, was gerade passiert, und mit welchen Problemen sie konfrontiert sind. Anlass: der Europäische Tag des Notrufs am 11. Februar – 11.2., das passt zur Notrufnummer 112. Unter dieser Nummer werden seit 2008 Notrufdienste europaweit erreicht. Aber Grieger und seine Kollegen wollen auch auf Berufe bei der Feuerwehr aufmerksam machen. Denn: „Mit dem Nachwuchs läuft es schon lange schlecht.“ Es geht heute auch um Werbung.

Getwittert wird auch in Zukunft

„Wir wollen auch weiterhin Twitter nutzen“, sagt Grieger. Über Straßensperrungen, Unwetterwarnungen oder neu entdecke Weltkriegs-Bomben können Bürger über das Nachrichtenportal schnell und einfach informiert werden. Die Reichweite der Tweets spricht klar dafür: Die Eröffnungsnachricht um 7.30 Uhr sehen 13.000 Leuten. Die anderen Tweets lesen immerhin 3000 Nutzer.

Nichts Neues: Gaffer bei Rettungseinsätzen

Aber kommen dadurch nicht mehr Schaulustige zu den Einsatzorten? „Nicht mehr als sonst auch“, meint der Feuerwehrmann. Die Einsatzkräfte seien es gewohnt, bei ihrer Arbeit fotografiert und gefilmt zu werden. „Trotzdem gehen wir in unseren Twitter-Nachrichten nicht auf genaue Daten ein“, erklärt der Pressesprecher der Hildesheimer Berufsfeuerwehr, Marcus Illemann. Namen, Alter und Adressen werden online nicht bekannt gegeben, um die beteiligten Personen zu schützen und Gaffer davon abzuhalten, zu den Einsatzorten zu fahren.

Wie schmal der Grat zwischen gewünschter Transparenz und notwendiger Verschwiegenheit sein kann, wird gleich am Montagmorgen deutlich, als die Feuerwehr diese Nachricht absetzt: Ein Notarzt sei im Einsatz bei einer Person, die leblos in einem Gebüsch liege. Eine Meldung, die geeignet ist, Spekulationen anzuheizen: War es ein Unfall, wo ist die Person gefunden worden, war es womöglich sogar Mord oder Totschlag?

Wie HAZ-Recherchen erst später ergeben, ging es in dem Fall um Suizid, ein Mann hatte sich in der Nähe der Bischofsmühle in der Öffentlichkeit das Leben genommen.

Ruhiges „Twittergewitter“

Auch Feuerwehren in München, Hamburg, Düsseldorf, Bremen und Frankfurt am Main beteiligten sich bei der Twitter-Aktion. Bis zum späten Nachmittag veröffentlichte die Berufsfeuerwehr Hildesheim 59 Nachrichten auf Twitter. „Insgesamt war es aber ein normaler bis ruhiger Arbeitstag für uns“, sagt Grieger. Feuerwehrfahrzeuge rückten im Stadtgebiet nicht aus. Hauptsächlich waren Rettungswagen im Einsatz.