Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hildesheimer Zulieferer senkt Prognose für E-Mobilität

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 10.09.2019.

Hildesheim/Frankfurt - Wie lassen sich Benzin- und Dieselantriebe so gestalten, dass die Fahrzeuge weniger verbrauchen und damit auch weniger CO2 ausstoßen? Das bleibt für den Zulieferer SEG Automotive vorerst die zentrale Frage mit Blick auf die Entwicklung des Autos.

Auch auf der anstehenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt will SEG dieses Thema in den Fokus rücken. Auch Mitarbeiter des Werks im Hildesheimer Wald haben daran Anteil. Aktuell unterstützen sie die Entwicklung dieses neuen Produkts im Bereich Musterbau. Details dazu will das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht nennen.

Auf 48 Volt spezialisiert

SEG Automotive, vor anderthalb Jahren aus dem Verkauf der Starter- und Generatorensparte von Bosch hervorgegangen und einer der größten Arbeitgeber Hildesheims, präsentiert auf der am 12. September beginnenden Messe Verbesserungen bestehender Maschinen sowie Neuheiten, die die Effizienz klassischer Motoren weiter steigern sollen.

Dabei spezialisiert sich SEG vor allem auf 48-Volt-Maschinen, die den Kraftstoff-Verbrauch senken und die „Hybridisierung“ von Fahrzeugen vorantreiben sollen. SEG rechnet damit, dass bis zum Jahr 2025 jeder fünfte Neuwagen weltweit mit 48-Volt-Technologie ausgestattet ist, in Europa sogar mehr als jeder Dritter.

CO2-Einsparung im Fokus

Bekanntestes SEG-Produkt dieser Art ist die zu Bosch-Zeiten entwickelte Boost Recuperation Machine (BRM). Sie soll im Auto den üblichen 12-Volt-Generator ersetzen und bietet die Möglichkeit, durch Rückgewinnung von Bremsenergie Kraftstoff zu sparen. Sie ist derzeit die einzige von der EU als Öko-Innovation anerkannte 48-Volt-Maschine. Hersteller, die sie einbauen, bekommen dafür beim CO2-Ausstoß eine bessere Bewertung. Auf der IAA präsentiert SEG nun die Weiterentwicklung BRM 2.8, die das Einsparpotenzial an Kraftstoff und damit CO2 weiter erhöhen soll. 15 Prozent gegenüber herkömmlichen Autos sollen drin sein.

Zudem stellt das Unternehmen in Frankfurt eine ganz neue 48-Volt-Maschine vor, die sogenannte EM 1.25. Anders als die BRM, die am Riemen eingebaut wird, soll diese Technik an der Hinterachse oder im Getriebe Platz finden und sogar 26 Prozent CO2 gegenüber herkömmlichen Autos einsparen – „unter realen Bedingungen“, wie SEG Automotive versichert. Eine dieser Maschinen könne einen Vollhybrid antreiben, zwei davon seien sogar stak genug für kleinere E-Autos.

SEG plant Investitionen

Die Technik soll bei SEG Automotive auch in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen, wie Vorstandsmitglied Peter Sokol betont: „Die EM 1.25 bildet die Grundlage für weitere Forschung und Investition zu Hochvolt-Lösungen.“

Außerdem stellt SEG in Frankfurt eine aktualisierte Fassung seines sogenannten Weißbuchs zur Zukunft der Automobilindustrie vor. Die erste Fassung war im vergangenen Jahr erschienen (die HAZ berichtete). in die neue Version sind nun weltweit veränderte politische Rahmenbedingungen – etwa neue Zölle sowie Klima-Vorgaben in einzelnen Ländern in die Analyse eingeflossen.

Ein Ergebnis: SEG hat seine Prognose für den Anteil reiner Elektrofahrzeuge unter den Neuwagen weltweit im Jahr 2025 gesenkt – von 15 Prozent auf „sieben bis 14 Prozent“. Umso mehr ist das Unternehmen überzeugt, dass seine auch in Hildesheim entwickelten Produkte noch lange Zeit von großer Bedeutung sein werden.

Bosch zeigt 3-D-Display

Hildesheims größter Arbeitgeber Bosch Car Multimedia hat in Fachkreisen schon vor der IAA Furore gemacht. Das Unternehmen feiert in Frankfurt die Weltpremiere seines dreidimensionalen Displays fürs Auto.

Dieses soll der Reaktionsschnelligkeit der Fahrer und damit de Verkehrssicherheit insgesamt zugutekommen – weil beispielsweise Warnhinweise dem Fahrer regelrecht ins Auto springen sollen (die HAZ berichtete). Ein bisschen wie im Kino, nur dass das Ganze auch ohne 3-D-Brille funktionieren soll, wie Bosch betont. Unter anderem soll zudem die Rückfahrkamera in noch besseres Bild der Situation hinterm Fahrzeug zeigen und das Manövrieren gerade in engen Bereichen erleichtern. Vor allem deutsche und internationale Fachmedien griffen das Thema bereits im Vorfeld der IAA auf. abu