Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hildesheims Piloten machen Flugplatz zum Klassenzimmer

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 19.04.2019.

Hildesheim - Mehr Physik-Unterricht auf dem Flugplatz, wenn möglich leisere Flugzeuge und mehr junge Mitglieder – das sind einige der Pläne, die der Aeroclub Hildesheim-Hannover nach einem Generationswechsel in der Führung verfolgt. Der 56-jährige Algermissener Dirk Blume hat Jürgen Houcken nach 24 Jahren an der Spitze des Vereins abgelöst. Und hofft die gesellschaftliche Bedeutung des Vereins auszubauen – und dabei auch die Rolle des Flugplatzes zu stärken.

Vor allem die Verbindung zu Schulen ist Blume dabei wichtig. Schon in Houckens Amtszeit hat der Verein begonnen, Mittelstufen-Schülerinnen am Andreanum mit Praxis-Beispielen die Naturwissenschaften näherzubringen. „Der Flugplatz als außerschulischer Lernort – das will ich ausbauen, auch auf Jungen, auch auf andere Schulen“, kündigt Blume an und schwärmt: „Die Fliegerei hat so viele Aspekte, die die Schüler weiterbringen – Mathematik, Thermodynamik, Funktechnik ...“ Die Mitglieder unterrichteten ehreamtlich. Wegen der Sachkosten seien für ein größeres Angebot Sponsoren nötig.

„Vorn dabei“ bei E-Fliegern

„Vorn dabei sein“ will der Aeroclub laut Blume zudem beim Thema E-Mobilität. Wie beim Auto gibt es auch bei Kleinflugzeugen Entwicklungen hin zum Elektroantrieb – und wie beim Auto erscheint das Ganze von den Kosten her noch nicht massentauglich. „Wir beobachten das aber intensiv und wollen auch solche Flugzeuge haben, so bald das auch vom Finanziellen her die Akzeptanz bei unseren Mitgliedern hat“, sagt Blume, dem klar ist: „E-Flieger sind leiser, das erhöht die Akzeptanz in der Bevölkerung.“

Vorn dabei sein bei neuen Entwicklungen – diesen Ehrgeiz hat der Aeroclub schon länger. Was ihm wohl auch geholfen hat, eine ernste Krise Anfang des Jahrtausends zu überwinden. Da ging der Verein an seine finanziellen Grenzen, um zum Erhalt des Flugplatzes an sich beizutragen. Heute bildet der Verein zusammen mit der Stadt die Flugplatz GmbH als Eigentümerin der Anlage (nicht zu verwechseln mit der Betriebs-GmbH von Otmar Birkner), der Verein hält ein Viertel der Anteile. Zudem gehört ihm das rund 13 000 Quadratmeter große Areal im Osten des Platzes mit Vereinsheim, Flugzeughallen und Parkplatz.

Modellflieger sind weg

Dort will der Aeroclub „jedem Interessierten das Fliegen ermöglichen“, wie Blume sagt. Mitglieder könnten für 99 Euro eine Stunde mit einem vereinseigenen Flugzeug abheben. Allerdings: Wer allein an den Steuerknüppel will, muss zunächst 7000 bis 8000 Euro und viel Zeit in den Pilotenschein investieren. Deutlich günstiger – und schon mit 14 machbar – ist der Segelflugschein. Wer den hat, kommt später bei der Motorflieger-Lizenz günstiger davon.

Die Flugschule gehört zu den Aushängeschildern des Aroclubs, lockt angehende Piloten aus weiten Teilen Niedersachsens und aus anderen Bundesländern an. Als Teil des gesellschaftlichen Arguments betrachten die Flieger auch ihren Beitrag zur Städtepartnerschaft zwischen Hildesheim und Angoulême – im jährlichen Wechsel steuern deutsche und französische Piloten die jeweils andre Stadt an.

Bei allem Optimismus zum Führungswechsel gibt es auch einen Wermutstropfen: Der Aeroclub musste seine traditionelle Modellflieger-Sparte aufgeben, weil er deren Übungsfläche im Zuge des Ausbaus des Gewerbegebiets Nord an die Stadt verlor. die gut 30 Mitglieder verteilten sich auf andere Vereine in der Region, der Aeroclub hat aktuell noch rund 365 Mitglieder. Zuwächse strebt er vor allem bei jungen Leute und bei Frauen an.