Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Himmelsthür hat nun ein Kloster

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 06.12.2017.

Hildesheim - Die Spiritualität der orthodoxen Kirche habe sie überwältigt, regelrecht mitgerissen: Das sagte Charlotte Stapenhorst, in Hannover geboren und im Saarland als Katholikin aufgewachsen, einst über ihre Motive, dieser Konfession beizutreten und sich der besagten, besonderen Spiritualität ganz in einem Leben als Nonne zu widmen. Drei Jahrzehnte gestaltete sie in Griechenland neue Wege des Ordenslebens mit, und ihre außergewöhnliche Geschichte regte die Autorin Ilka Piepgras zu dem Buch „Meine Freundin, die Nonne“ an. Sie erhielt dafür den katholischen Medienpreis.

Nun ist die Nonne nach Deutschland zurückgekehrt, als Äbtissin Diodora führt sie ein neues Kloster an einem Ort mit spirituellem Klang: Himmelsthür. Dort sind insgesamt 14 Nonnen in das Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche eingezogen. Sie kommen aus elf verschiedenen Ländern und gehörten zu dem Konvent in Griechenland. Der ist nach Angaben der serbisch-orthodoxen Diözese so stark gewachsen, dass er mittlerweile vier neue Klostergemeinschaften in den USA und eine in Skandinavien gegründet hat – und nun in Himmelsthür.

Feste Abläufe

Dort war bisher der Sitz des orthodoxen Bischofs für die Diözese, die ganz Deutschland umfasst. Sie wird derzeit von Wien aus geleitet, der dortige Bischof Andrej Cilerdzik ist der Administrator der deutschen Diözese. Die Verwaltung in Hildesheim wird verkleinert – nicht ohne Unstimmigkeiten, wie kürzlich berichtet, als der Bischof die Polizei rief und um Schutz vor Kritikern bat.

Die Räume in Himmelsthür haben nun eine neue Bestimmung erhalten. Feste Abläufe bestimmen das Klosterleben der eingezogenen Gemeinschaft, ein Wechsel von Gebet und Ruhezeiten, Arbeit und Essen. So vielfältig wie die Herkunft ist auch das Ausbildungsspektrum der Nonnen, unter ihnen sind Juristinnen wie Theologinnen. Die Äbtissin studierte erst Künste in Berlin, später Theologie in Athen und schließlich in Straßburg Kirchenrecht und Jura.

Die Arbeit der Nonnen

In ihrem neuen Domizil in Himmelsthür übersetzen die Schwestern Texte, sie malen Ikonen und stellen pflanzliche Salben her, sie binden Bücher, nähen und schreinern – und beschäftigen sich mit den Traditionen des byzanthinischen Gesanges. Vom Alter her ist die Gemeinschaft sehr gemischt. Doch das Alter sei in der Welt des Klosters nicht entscheidend, betont die Äbtissin. Was zählt, sei die menschliche Reife.

Die Nonnen möchten sich in ihrem Kloster nicht abschotten, im Gegenteil: Besucher seien bei den Schwestern willkommen, heißt es in einer Pressemitteilung der serbisch-orthodoxen Diözese. Mit dem Einzug der Schwestern sei für das Haus in Himmelsthür eine Neuorientierung verbunden. Die gehöre auch zur Neustrukturierung der gesamten Diözese, die unter dem Administrator Bischof Andrej begonnen habe.

Die Nonnen möchten sich in Kürze auch in den evangelischen und katholischen Klöstern der Region vorstellen.