Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hinterhältiger Böllerwurf auf Kleinkinder

Veröffentlicht von Viktoria Hübner am 12.01.2018.

Sarstedt - Der erst knapp zwei Wochen alte Neujahrstag in Sarstedt hat einen bitteren Nachgeschmack bekommen: Unbekannte haben mitten in der Innenstadt Böller auf zwei Kleinkinder geworfen. Die Knallkörper explodierten nur zwei Meter neben den Zweieinhalbjährigen, die mit ihrer Großmutter auf einem Spaziergang unterwegs waren. Wie die 61-Jährige berichtet, haben sich ihre Enkel vor Angst auf den Boden geworfen und auf dem Weg nach Hause nur noch geschrien und geweint. Bis heute hat die Familie unter dem Vorfall zu leiden. Auf Anraten der Polizei wollen sie nun Anzeige erstatten. Daher werden noch Zeugen gesucht, die Hinweise zu der Tat oder den Tätern geben können.

Zwei Böller zünden

Es sollte ein schöner Neujahrsspaziergang werden. Annelie Peters (Name von der Redaktion geändert) hat ihre beiden Enkelkinder zu Besuch, gemeinsam machen sie sich am späten Vormittag bei Sonnenschein von der Breslauer Straße in die Fußgängerzone auf. Gegen 11 Uhr erreicht das Oma-Enkel-Gespann die Engestraße. Sofort erobern die Zwillinge die beiden Federwippen am dortigen Springbrunnen. Etwa zehn Minuten, schätzt Peters, schaukeln die Kinder, bevor sie den Heimweg antreten. Noch in der Engestraße – Peters vorweg, die Großkinder hinter ihr – gibt es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, ein zweiter folgt direkt danach.

Es sind zwei Böller, die in unmittelbarer Nähe der Kinder zünden. Die Geschwister werfen sich sofort auf den Boden. „Mein Enkel ist ganz blau geworden und hat nach den Eltern geschrien“, berichtet Peters, die alle Hände voll damit zu tun hat, die Kleinen zu beruhigen, die sich an sie klammern. „Auf dem Nachhauseweg haben sie vor Angst nur geschrien.“ Gerade ihr Enkelsohn sei nach zwei schweren Operationen gesundheitlich noch nicht stabil. Noch Tage danach habe sich die Familie damit beschäftigen müssen, den Knaller-Vorfall aufzuarbeiten.

Verhalten ist „unverantwortlich“

Woher die Böller genau kamen, kann Peters nicht sagen. Sie vermutet, dass möglicherweise ein von den Kindern genervter Anwohner die Silvesterkracher aus einem Fenster geworfen hat. Passanten seien so nämlich gut wie nicht unterwegs gewesen. „Aber das sind Kinder, die müssen auch leben“, sagt Peters. Sie findet so ein Verhalten „unverantwortlich“.

Dem kann Sarstedts Polizeisprecher Frank Müller nur beipflichten: „Das Verhalten des Täters ist unverantwortlich und gehört bestraft.“ Er rät daher zu einer Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung oder sogar einer gefährlichen Körperverletzung. „Nach meiner Einschätzung hat das Knallgeräusch in unmittelbarer Nähe der Kinder diese so verängstigt, so dass anhaltende Verhaltensänderungen erkennbar sind und ein körperlicher Schaden eingetreten ist.“ Nachrangig, so Müller, liege zudem eine Ordnungswidrigkeit wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern im Innenstadtbereich gemäß der Verordnung zum Sprengstoffgesetz vor. Solche gearteten Fälle, bei denen die Verantwortlichen auch nicht vor Kindern Halt machen, seien glücklicherweise aber eher die Ausnahme. „Wir haben diesbezüglich bisher keine Anzeigen oder Meldungen erhalten“, sagt Müller.

Die Polizei bittet aber um Hinweise aus der Bevölkerung, um dem Vorfall weiter nachgehen zu können. Das Revier ist unter der Telefonnummer 985-0 zu erreichen.