Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hip-Hop meets Akrobatik meets Orgel

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 14.05.2019.

Hildesheim - Einen Tangogottesdienst hat man in der Andreaskirche schon erlebt, auch eine der Johannespassion mit dem Ballett des Staatstheaters Braunschweig. Doch so viel Bewegung wie jetzt hat St. Andreas wohl noch nie gesehen: Bei „Hip Org Hop“ trifft am 24. und 25. Mai Orgelmusik auf Modern- und Hip-Hop-Tanz, auf Vertikalakrobatik und Tricking-Kunst.

Vor zwei Jahren hat Andreaskantor Bernhard Römer begonnen, Ideen und Pläne zu schmieden. Wie in der Kooperation mit dem Braunschweiger Ballett im Expo-Jahr 2000 sollte es um die Verbindung von klassischer Musik und Tanz gehen, doch diesmal mit anderen Akzenten. Eine dreifache Begegnung schwebte Römer vor: „Alt und Jung, Hoch- und Straßenkultur, Kirche und Welt.“ Kurz: Orgel und Hip-Hop.

Seit Februar ist Ars Saltandi im Boot. Sie sei anfangs skeptisch gewesen, sagt Katrin Katholnigg, die Leiterin der Tanz- und Akrobatikschule. Einerseits wegen der kurzen Probenphase und zum anderen, weil neben Ars-Saltandi-Mitgliedern auch andere Schulkinder mitmachen können. Die 40 Tänzerinnen und Tänzer sind zwischen 8 und 15 Jahre alt, nur die Solisten Karen Bentz, Pia Brandt und Emre Körükmez sind erwachsen.

Tanzen ohne Beat

Und dazu die große Frage: „Wie kriegt man Orgelmusik und Hip-Hop zusammen? Da ist ja nicht wirklich ein Beat“, so Katholnigg. Man nehme nur Bachs berühmte Toccata und Fuge in d-moll, die beim Finale erklingen wird: „Die dauert neun Minuten, das ist wie drei normale Popsongs!“ Aber sie liebe es, „Dinge miteinander zu verbinden, die gar nichts miteinander zu tun haben“, und habe schließlich zugesagt.

Katrin Katholnigg überzeugte Römer, sich nicht auf Hip-Hop-Tanz zu beschränken. „Für mich ist es leichter, mit unserer Vielfalt auf die Bühne zu gehen“, sagt die Tanzpädagogin. So vermischt sich Hip-Hop mit Modern Dance und klassischem Ballett – es gibt sogar eine Sequenz, in der Spitzentänzerinnen Hip-Hop-Elemente verwenden. Eine Akrobatin wird ihre Kunst an einem Tuch zeigen, das von der Orgelempore herabhängt. Und ein Tricker soll mit Saltos und Schrauben durch den Mittelgang der Kirche fetzen.

Neue Orgelklänge

„Re-Search“ lautet das Oberthema: auf der Suche sein, wiederfinden, neu verbinden. Liv Kauffmann, eine 15-Jährige aus der Ars-Saltandi-Masterclass, hat zwei Texte dazu geschrieben, die sich am Vorbild von Poetry Slammern orientieren. Am Schluss werden alle Tänzerinnen die Kernsätze in Gebärdensprache dolmetschen – ein Ballett der besonderen Art.

Orgelklänge sind in Ars-Saltandi-Räumen komplett ungewohnt, ebenso wie das Cembalo, das bei zwei Stücken eingesetzt wird. „Die Kinder haben sich erstaunlich rein gehört und finden es immer mehr gut“, berichtet Katrin Katholnigg.

„Noch nicht satt gehört“

Emre Körükmez, der Hip Hop-Tanz unterrichtet und auch als Solist auftritt, bestätigt das: „Ich dachte, dass schnell die Luft raus sein wird und die Orgel zum Hals raushängt.“ Doch selbst bei vierstündigen Intensivproben sei keine Langeweile aufgekommen, sagt Körükmez. Das gelte auch für ihn selbst. Bei ihm zuhause läuft Rap, R&B, Soul, Funk – Groove-betonte Musik. „Da ist die Orgel eher das Gegenteil davon.“ Aber: „Ich habe mich noch nicht satt gehört.“

Umgekehrt müssen sich auch Bernhard Römer und Lukas Speer an Orgel um Cembalo auf Neues einlassen. Drei Stücke werden nicht pur erklingen, sondern von Schlagzeuger Ruben Scheidhauer mit einem neuen Puls unterlegt.

„Äußerst cool“

Wie es gelingt, all die verschiedenen Elemente zusammenzufügen, werden die Beteiligten erst am Tag vor der Premiere wissen – die Generalprobe ist die einzige Probe überhaupt. Eine Orgelführung haben die jungen Tänzerinnen aber schon bekommen. Nicht 300 wie geschätzt, nein, 4734 Pfeifen hat die Beckerath-Orgel, erfuhren sie bei der Gelegenheit. Die Kinder und Jugendlichen waren gebührend beeindruckt: „Äußerst cool!“

„Hip Org Hop“ wird am 24. und 25. Mai jeweils um 21 Uhr in der St.-Andreas-Kirche aufgeführt. Der hannoversche Rapper Spax ist als Schirmherr dabei. Karten gibt es für 8, 5 und 3 Euro (Schüler) unter anderem im Ticketshop der HAZ an der Rathausstraße und im Internet über die Seite www.hiporghop.de. Dort findet sich auch ein aktueller Beitrag von NDR Kultur über das Projekt.