Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Schutz vor Hochwasser: Testlauf an der Innerste

Veröffentlicht von Rainer Breda am 12.06.2019.

Hildesheim - Noch ist kein Hochwasser in Sicht. Doch die teils heftigen Gewitter der vergangenen Wochen haben bei manchen Bewohnern der Gegend rund um den Kalenberger Graben böse Erinnerungen an den Sommer vor zwei Jahren geweckt: Damals hatten unzählige Helfer 20 000 Sandsäcke verlegt und dadurch gerade noch so eben verhindert, dass die Innerste über ihr Ufer tritt. Künftig soll im Fall des Falles ein mobiles Schlauchsystem das Jo-Bad und die Anwohner der Großen Venedig schützen. Diese können „Floodtube“ bald probeweise in Aktion erleben: Die Stadt will das System noch in diesem Sommer vor Ort öffentlich testen, kündigt Rathaussprecher Helge Miethe an.

Die Stadt hat die Anlage im vergangenen Jahr für 170 000 Euro gekauft. Sie besteht aus insgesamt 72 Schläuchen, die jeweils 15 Meter messen und hintereinandergelegt einen künstlichen Deich von 1080 Meter Länge ergeben. Um diesen komplett zu errichten, brauchen sechs Feuerwehrleute zusammen nach Herstellerangaben etwa vier Stunden. Das bedeutet deutlich weniger Zeit- und Personalaufwand als das Füllen und Schichten von Sandsäcken – und damit einen schnelleren Schutz für alle, deren Schutz „Floodtube“ dienen soll.

Verunsicherung mindern

Das dürften vor allem die Innerste-Anlieger in der Großen Venedig und deren Nachbarstraßen sein. Unter ihnen machen sich angesichts der starken Gewittergüsse der vergangenen Tage Befürchtungen breit, dass das nächste Hochwasser nicht lange auf sich warten lassen könnte – Anlass für den Ortsrat Stadtmitte, die Verwaltung in seiner jüngsten Sitzung darum zu bitten, das System doch einmal in dem betroffenen Stadtteil vorzuführen. Die Menschen wollten sehen, wie die Anlage funktioniert, sagt Ortsbürgermeister Dirk Bettels (CDU): „Das würde helfen, die Verunsicherung zu mindern.“

Im Rathaus rennen die Ortsteilpolitiker offene Türen ein. „Das deckt sich mit unseren Vorstellungen“, erklärt Sprecher Miethe. Die Berufsfeuerwehr – bei ihr lagern die Schläuche – wolle diese auf jeden Fall im Sommer an der Großen Venedig zusammensetzen und auseinandernehmen. Ob das System dabei auch mit Luft und Wasser (beides ist nötig) gefüllt werde, stehe noch nicht fest. Klar ist, dass die Verwaltung den Termin vorher ankündigt, versichert Miethe: Allein schon deshalb, weil die Stadt die Große Venedig eventuell sperren müsse.