Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hollerin gibt Tipps zur Igel-Rettung

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 11.09.2018.

Kreis Hildesheim - „Es sind liebenswerte Stachelkugeln. Jeder Igel ist eine Persönlichkeit, die vielleicht eine Familie hat“, betont Ina Simon. Die Derneburgerin hält in ihrer Hand so eine Stachelkugel mit winzigen, schwarzen Augen: Stupsi. Er ist ein Igeljunge, etwa fünf Wochen alt und 152 Gramm schwer. Als er bei Simon einzog, war der Igel in einem erschreckenden Zustand. Er brachte nur 115 Gramm auf die Waage, war nicht thermostabil und brauchte neben viel Zuwendung eine Heizmatte. Zudem wimmelte es an seinem winzigen Körper an Fliegenmaden, die Simon akribisch entfernte. Die 41-Jährige bietet ehrenamtlich eine Wildvogelhilfe an und kümmert sich um verletzte, in Not geratene Singvögel und Kleintiere.

Acht Igel im Garten

Derzeit versorgt sie acht Igel bei sich im Garten. Ein Tier hat eine schwere Kopfverletzung, es lebt in ihrem Wohnhaus. Stupsi und seine Geschwister Loki und Rumpelstilzchen haben Behausungen im Wohnzimmer bezogen. Simon vermutet, dass die Mutter wegen Wasser- und Futtermangel nur wenig Milch für ihre drei Jungen hatte und sie daher frühzeitig verließ. Der extrem warme Sommer, Insektenschutzmittel und sterile Gärten sind laut Simon Gründe dafür, dass Igel, die sich von Insekten und Würmern ernähren, wenig Futter finden. Damit Igel einen futterreichen und gefahrenarmen Lebensraum haben, wünscht sich die Derneburgerin, dass Gartenbesitzer auf Mähroboter und Schneckenkorn verzichten, ihren Garten nicht akribisch aufräumen, Laub- und Reisighaufen liegenlassen. Tellersensen und Freischneider sollten nicht unter Büsche gehalten werden. Denn Igel sind keine Fluchttiere. Sie rollen sich ein und können durch das Schneidewerk schwere Verletzungen erleiden.

Pflege seit 2012

Die Derneburgerin, die seit 2012 verletzte Stachelkugeln aufpäppelt, hält Igel-Ratschläge für diese Jahreszeit bereit: Ein Igel, der am Tag unterwegs ist, sollte beobachtet werden. Ist es ein Baby, Jungtiere zwitschern übrigens wie Vögel, ist zu kontrollieren, ob die Mutter zu finden ist. Ein Alarmzeichen ist, wenn grünschillernde Fliegen um den Igel schwirren. Pflegestellen wissen Rat, informieren und verweisen gegebenenfalls an Tierärzte, die sich mit Igeln auskennen. Denn diese sind laut Simon nicht Pflicht im Studium.

Wer einen erwachsenen Igel um diese Jahreszeit aufnimmt, sollte das Geschlecht des stacheligen Mitbewohners sofort bestimmen. Handelt es sich um ein Muttertier, das seinen Nachwuchs noch säugt? Vor Zecken und Flöhe muss der Hausherr keine Angst haben. „Zecken kann man absammeln und Flöhe sind meist wirtsspezifisch“, erklärt die 41-Jährige, die mit etwa zwölf Jahren ihren ersten Igel versorgte.

Für Notfälle

Wer einen in Not geratenen Igel gefunden hat oder Ina Simon und ihre Wildvogelhilfe unterstützen möchte, erreicht sie via Facebook und unter der Notfallnummer 01515 / 7 25 08 44.