Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kirchenraum auf Schienen

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 11.10.2018.

Nettlingen - Nach der feierlichen Zeremonie am Taufbecken geht es für die Familie des Täuflings in der Kirche nur wenige Schritte weiter zur Feier – in der Kirche. In Nettlingen ist das bald Realität. Denn dort wird ein fahrbarer Gemeinderaum in die St.-Marien-Kirche gebaut (die HAZ berichtete). Doch die Gemeindemitglieder müssen sich noch bis zum ersten Advent gedulden. Eigentlich hätte der Bau schon am Anfang August abgeschlossen sein sollen. Doch die die vollen Auftragsbücher der Handwerker wirken sich auch auf der Baustelle in Nettlingen aus.

Baustellenbetreuung

Wegen dieses außergewöhnliches Projektes verlängerte Hans Jürgen Pieper seine Amtszeit als Kirchenvorstandsvorsitzender. Nun überdauert die Bauzeit sogar seine Vorstandszeit. Mit seinem Amts-Nachfolger, Dietrich Waltemate, betreut Pieper weiterhin die Baustelle.

Auf der ist freilich schon einiges zu sehen. Das Kirchenschiff ist durch eine provisorische Wand von der Baustelle getrennt, auch nach oben hin sind Abtrennungen eingerichtet worden. Trotzdem fürchtet Pieper, dass die alte Orgel den Einsatz nicht ohne weiteres überstehen wird. „Die muss bestimmt neu gestimmt werden“, fürchtet er. Doch bis es so weit ist, fällt noch jede Menge Staub an. Die Hildesheimer Firma Bernward-Immobilien hatte die Idee, einen Raum in die Kirche zu bauen, der sich bei Bedarf vergrößern oder verkleinern lässt. Dazu laufen die Glaswände auf Schienen. So bekommt die Gemeinde 36 Quadratmeter großen Raum, in dem Kindergottesdienste oder Familienfeste gefeiert werden oder sich Vereine treffen können. „Die Kirche plant für Zeiten, in denen noch weniger Geld da ist“, erklärt Pieper. Da sollen keine zusätzlichen Immobilien die Kasse belasten. Die Nettlinger haben ihr Pfarrhaus schon vor drei Jahren verkauft.

Begegnungsraum

„Wir nutzen unsere Kirche künftig als Begegnungsraum“, sagt Waltemate, ehemaliger Kirchenkreis-Jugenddiakon. Der neue Vorsitzende wünscht sich mehr Leben in der Kirche und glaubt, dass das mit dem Umbau funktionieren wird. Darauf hofft auch Pieper. Doch erst einmal muss der Bau lfertig werden. „Die Handwerker sind einfach überlastet“, sagt Waltemate. Lediglich die örtliche Elektrofirma habe pünktlich alles abgearbeitet.

235 000 Euro Kosten

Auf Elektrik setzen die Nettlinger auch bei der Heizung. „Für eine neue Heizungsanlage hätte unsere Kirche ganz aufgerissen werden müssen“, sagt Pieper. Mit der Elektrolösung werden nun 23 000 Euro gespart. 235 000 Euro kostet das Projekt insgesamt. 120 000 Euro bringt die Gemeinde auf, die restliche Summe setzt sich aus Spenden, sowie Zuschüssen der Landeskirche Hannover und des Kirchenkreisamtes zusammen.

Gottesdienste

Trotz der Bauarbeiten werden in der Kirche Gottesdienste gefeiert. So berichtete Waltemate beim Erntedankgottesdienst vom avisierten Termin am 2. Dezember. Da der evangelische Pastor der Gemeinde Uwe Kolesch lange erkrankt und nun schließlich in den Ruhestand verabschiedet wurde, feiert Waltemate als Vertretung Gottesdienste. „Wir haben ein Bärenglück“, freut sich Pieper über seinen Nachfolger. Auch wenn der Kirchenvorstand um zwei Personen geschrumpft ist. Vielleicht lebt das Gemeindeleben mit dem neuen Raum wieder auf.